Nutzen eines Arbeitsgedächtnistrainingsprogramms bei Unaufmerksamkeit im Alltag: eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse
Megan Spencer-Smith, Torkel Klingberg (2015)
PloS one 10(3), e0119522
Zusammenfassung
HINTERGRUND: Viele häufige Erkrankungen im Lebensverlauf gehen mit einer Beeinträchtigung des Arbeitsgedächtnisses (AG) einher. Zu den berichteten Vorteilen eines AG-Trainingsprogramms zählt die Verbesserung der Aufmerksamkeitsdefizite im Alltag. Dies wurde jedoch bisher nicht in einer Metaanalyse untersucht. Ziel dieser Studie war es, mittels einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse zu evaluieren, ob eine bestimmte AG-Trainingsmethode positive Auswirkungen auf die Aufmerksamkeitsdefizite im Alltag hat. METHODEN: Wir durchsuchten Medline und PsycINFO sowie relevante Fachzeitschriften und kontaktierten die Autoren von Studien mit Interventions- und Kontrollgruppen, die über die nach dem Training festgestellten Aufmerksamkeitsdefizite im Alltag berichteten. Um den Einfluss unterschiedlicher AG-Trainingsmethoden auf die Ergebnisse zu minimieren, beschränkte sich die Übersichtsarbeit auf Studien, die die Cogmed-Methode evaluierten. In einer Metaanalyse wurde die gepoolte standardisierte Differenz der Mittelwerte (SMD) zwischen Interventions- und Kontrollgruppen berechnet. ERGEBNISSE: Insgesamt wurden 622 Studien identifiziert, von denen 12 Studien mit 13 Gruppenvergleichen die Einschlusskriterien erfüllten. Die Metaanalyse zeigte einen signifikanten Trainingseffekt auf die Aufmerksamkeitsdefizite im Alltag (SMD = -0,47; 95 %-KI: -0,65 bis -0,29; p < 0,00001). Subgruppenanalysen ergaben, dass dieser signifikante Effekt sowohl bei Kindern und Erwachsenen als auch bei Personen mit und ohne ADHS beobachtet wurde. Dies galt für Studien mit aktiven und nicht-adaptiven, Wartelisten- und passiven Kontrollgruppen sowie für Studien mit spezifischen und allgemeinen Messinstrumenten. Sieben der Studien berichteten über Nachuntersuchungen. Eine Metaanalyse zeigte anhaltende positive Trainingseffekte auf die Aufmerksamkeitsdefizite im Alltag (SMD = -0,33; 95 %-KI: -0,57 bis -0,09; p = 0,006). Weitere Metaanalysen bestätigten Verbesserungen nach dem Training visuell-räumlicher Arbeitsgedächtnisaufgaben (SMD = 0,66; 95 %-KI: 0,43–0,89; p < 0,00001) und verbaler Arbeitsgedächtnisaufgaben (SMD = 0,40; 95 %-KI: 0,18–0,62; p = 0,0004). SCHLUSSFOLGERUNGEN: Die Vorteile eines Arbeitsgedächtnistrainings lassen sich auf Verbesserungen im Alltag übertragen. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Cogmed-Methode signifikante Vorteile bei Aufmerksamkeitsstörungen im Alltag mit einer klinisch relevanten Effektstärke bietet.
Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Diagnostik, Kognitives Training
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Erwachsene, Diagnostik, Arbeitsgedächtnis, Unaufmerksamkeit, Metaanalyse
