Niedrige Dopaminfunktion bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung: Sollte die Genotypisierung eine Frühdiagnose bei Kindern ermöglichen?
Mark Gold, Kenneth Blum, Marlene Oscar-Berman, Eric Braverman (2014)
Postgraduate medicine 126(1), 153-177
Zusammenfassung
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) tritt weltweit bei 8 bis 12 % der Kinder und 4 % der Erwachsenen auf. Kinder mit ADHS können Lernschwierigkeiten, ein geringes Selbstwertgefühl, soziale Probleme und ein erhöhtes Risiko für Substanzmissbrauch, einschließlich Rauchen, aufweisen. Insgesamt ist die Behandlungsrate von ADHS-Patienten mit Medikamenten seit 2008 gestiegen; mittlerweile werden mindestens 2 Millionen Kinder mit Stimulanzien behandelt. Der Anstieg des Missbrauchs verschreibungspflichtiger ADHS-Medikamente bei Jugendlichen ging mit einer gleichzeitig gestiegenen Verfügbarkeit von Stimulanzien einher. Von den Erwachsenen mit einer Substanzgebrauchsstörung (SGS) haben 20 bis 30 % gleichzeitig ADHS, und 20 bis 40 % der Erwachsenen mit ADHS weisen eine SGS-Vorgeschichte auf. Nach einem kurzen Überblick über die Ätiologie, Diagnose und Behandlung von ADHS konzentrieren wir uns auf die Vorteile einer frühzeitigen und angemessenen Testung auf eine ADHS-Prädisposition. Wir schlagen vor, dass durch die Genotypisierung von Patienten hinsichtlich einer Reihe bekannter, assoziierter dopaminerger Polymorphismen, insbesondere in jungen Jahren, Fehldiagnosen und/oder Überdiagnosen reduziert werden können. Ethische und rechtliche Aspekte der frühen Genotypisierung werden erörtert. Schätzungsweise 30 % der Menschen mit ADHS weisen entweder sekundäre Nebenwirkungen auf oder sprechen nicht auf Stimulanzien an. Wir betrachten auch die Vorteile nicht-stimulierender Medikamente und alternativer Behandlungsmethoden, darunter Ernährungsumstellung, pflanzliche Arzneimittel, Eisensupplementierung und Neurofeedback. Mit dem Ziel, die Behandlung von Patienten mit ADHS zu verbessern und Substanzgebrauchsstörungen vorzubeugen, regen wir weitere Forschung sowohl in der genetischen Diagnostik als auch in der Entwicklung neuer Therapieansätze an.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik, Medikamente
Schlagwörter: ADHS, ADHS bei Kindern, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Diagnostik, Stimulanzien, Neurofeedback, Hyperaktivität, Sucht, Genetik
