Auswirkungen von Psychostimulanzien auf die Hirnstruktur und -funktion bei ADHS: eine qualitative Literaturübersicht von auf Magnetresonanztomographie basierenden neurobildgebenden Studien
Thomas Spencer, Ariel Brown, Larry Seidman, Eve Valera, Nikos Makris, Alexandra Lomedico, Stephen Faraone, Joseph Biederman (2013)
The Journal of Clinical Psychiatry 74(9), 902-917
Zusammenfassung
ZIEL: Bewertung der Auswirkungen therapeutischer oraler Dosen von Stimulanzien auf das Gehirn von Patienten mit ADHS mittels MRT-basierter Bildgebungsverfahren (morphometrisch, funktionell, spektroskopisch). DATENQUELLEN: Wir durchsuchten PubMed und ScienceDirect bis Ende 2011 mit den Suchbegriffen (1) Psychostimulanzien oder Methylphenidat oder Amphetamin und (2) Neuroimaging oder MRT oder fMRT und (3) ADHS oder ADS oder Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. STUDIENAUSWAHL: Wir schlossen ausschließlich englischsprachige Artikel mit neuen Daten aus Fall-Kontroll- oder Placebo-kontrollierten Studien ein, die Patienten mit ADHS unter und ohne Psychostimulanzien untersuchten (sowie 5 relevante Übersichtsarbeiten). DATENEXTRAKTION: Wir kombinierten Details zum Studiendesign und zu den Medikamenteneffekten in den einzelnen Bildgebungsverfahren. ERGEBNISSE: Wir fanden 29 veröffentlichte Studien, die unsere Kriterien erfüllten. Diese umfassten 6 strukturelle MRT-Studien, 20 funktionelle MRT-Studien und 3 Spektroskopiestudien. Die Methoden variierten stark hinsichtlich Studiendesign, Analyseverfahren und untersuchten Hirnregionen. Trotz der methodischen Heterogenität waren die Ergebnisse jedoch konsistent. Mit wenigen Ausnahmen deuten die Daten zur Wirkung therapeutischer oraler Dosen von Stimulanzien auf eine Abschwächung der strukturellen und funktionellen Veränderungen bei unbehandelten ADHS-Patienten im Vergleich zu Kontrollgruppen hin. FAZIT: Trotz der inhärenten Einschränkungen und der Heterogenität der vorhandenen MRT-Literatur legt unsere Übersicht nahe, dass therapeutische orale Dosen von Stimulanzien Veränderungen der Hirnstruktur und -funktion bei ADHS-Patienten im Vergleich zu unbehandelten Patienten und Kontrollgruppen verringern. Diese medikamentenbedingten Hirneffekte verlaufen parallel zu den gut belegten klinischen Vorteilen und könnten diesen zugrunde liegen.
Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, ADHS bei Kindern, Medikamente
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Methylphenidat, Amphetamin, Stimulanzien, Hyperaktivität, MRT, Geschlecht, Schule
