Psychostimulanzien, Antidepressiva und Neurokinin-1-Rezeptorantagonisten („Motordisinhibitoren“) haben sich überschneidende, aber dennoch unterschiedliche Wirkungen auf die Monoamin-Transmission: Die Beteiligung von L-Typ-Ca(2+)-Kanälen und Implikationen für die Behandlung von ADHS
S. Stanford (2014)
Neuropharmacology 87C, 9-18
Zusammenfassung
Sowohl Psychostimulanzien als auch Antidepressiva wirken auf Monoamintransporter und verstärken dadurch die Monoaminübertragung. Beide Wirkstoffgruppen erhöhen zudem die motorische Aktivität in präklinischen Verhaltenstests für Antidepressiva. Antagonisten des Substanz-P-präferierenden Rezeptors (NK1R) erhöhen ebenfalls sowohl die motorische Aktivität in diesen Tests als auch die Monoaminübertragung im Gehirn. In diesem Artikel werden die neurochemischen und verhaltensbezogenen Reaktionen auf diese drei Wirkstoffgruppen verglichen. Es zeigt sich, dass NK1R-Antagonisten eine eigene Substanzklasse („motorische Disinhibitoren“) darstellen, die sich wesentlich von Psychostimulanzien und Antidepressiva unterscheidet, insbesondere in Zuständen erhöhter Erregung oder Stress. Alle drei Wirkstoffgruppen beeinflussen außerdem die Aktivierung spannungsgesteuerter Cav1.2- und Cav1.3-L-Typ-Kanäle (LTCCs) im Gehirn, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Dieser Artikel erörtert Hinweise darauf, dass die Störung der funktionellen Interaktionen zwischen NK1R und LTCCs zu den kognitiven und Verhaltensauffälligkeiten beiträgt, die charakteristische Merkmale der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) darstellen. Daraus ergibt sich die interessante Möglichkeit, dass Hyperaktivität und Impulsivität (wie bei ADHS) sowie psychomotorische Verlangsamung (wie bei Depressionen) entgegengesetzte Pole eines Verhaltenskontinuums widerspiegeln. Ein besseres Verständnis dieses pharmakologischen Netzwerks könnte erklären, warum Psychostimulanzien unter Stress die motorische Aktivität steigern (z. B. in präklinischen Studien für Antidepressiva) und gleichzeitig die lokomotorische Aktivität und Impulsivität bei ADHS reduzieren. Dieser Artikel ist Teil der Sonderausgabe „ZNS-Stimulanzien“.
Kategorien: Affektive Störungen, Medikamente, Therapie
Schlagwörter: ADHS, Stimulanzien, Hyperaktivität, Impulsivität, Depression, Sucht
