Wo bestehen die stärksten Zusammenhänge zwischen autistischen Merkmalen und Merkmalen von ADHS? Erkenntnisse aus einer bevölkerungsbasierten Zwillingsstudie

Mark Taylor, Tony Charman, Angelica Ronald (2015)

European Child & Adolescent Psychiatry 24(9), 1129-38

Zusammenfassung

Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) treten häufig gemeinsam auf. Zwillingsstudien deuten zunehmend darauf hin, dass diese Störungen überlappende genetische Ursachen haben könnten. Weniger bekannt ist, inwieweit spezifische autistische Merkmale mit spezifischen Verhaltensweisen, die für ADHS charakteristisch sind, zusammenhängen. Daher untersuchten wir anhand des klassischen Zwillingsdesigns, ob spezifische dimensionale autistische Merkmale, darunter soziale Schwierigkeiten, Kommunikationsatypischitäten und repetitive Verhaltensweisen, unterschiedliche Grade ätiologischer Überlappung mit spezifischen ADHS-Merkmalen, einschließlich Hyperaktivität/Impulsivität und Unaufmerksamkeit, aufweisen. Die Eltern von etwa 4.000 Zwillingspaaren im Alter von 12 Jahren füllten den Childhood Autism Spectrum Test und die Conners' Parent Rating Scale aus. Diese Messinstrumente wurden in Subskalen unterteilt, die verschiedenen Arten von autistischen und ADHS-Verhaltensweisen entsprachen. Die Anpassung eines Zwillingsmodells deutete darauf hin, dass die genetische Überlappung zwischen Kommunikationsschwierigkeiten und ADHS-Merkmalen besonders hoch war (genetische Korrelationen = .47–.51), während repetitive Verhaltensweisen und soziale Schwierigkeiten eine moderate (genetische Korrelationen = .12–.33) bzw. geringe (.05–.11) genetische Überlappung aufwiesen. Die Überlappung der Umweltfaktoren war über alle Subskalen hinweg gering (Korrelationen = .01–.23). Diese Muster zeigten sich auch an den Extremen der Allgemeinbevölkerung, wobei Kommunikationsschwierigkeiten die höchste genetische Überlappung mit ADHS-Merkmalen aufwiesen. Diese Ergebnisse legen nahe, dass molekulargenetische Studien, die die gemeinsame genetische Grundlage von Autismus-Spektrum-Störung (ASS) und ADHS aufdecken wollen, von einem symptomspezifischen Ansatz profitieren würden. Darüber hinaus könnten sie auch dazu beitragen, zu erklären, warum Studien zu den Kommunikationsfähigkeiten von Personen mit ASS und ADHS zu überlappenden Ergebnissen geführt haben.

Kategorien: ADHS bei Kindern, Autismus-Spektrum-Störungen, Diagnostik

Schlagwörter: ADHS, Kinder, Komorbidität, Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität, Autismus-Spektrum-Störung, Genetik, Geschlecht

This publication in English

Nach oben scrollen