Kardiovaskuläre Risikobewertung für die Anwendung von ADHS-Medikamenten bei Kindern
Ansgar Berg, Emelinn Bratane, Hans Odland, Christina Brudvik, Bjorg Rosland, Asle Hirth (2014)
Tidsskrift for den Norske laegeforening : tidsskrift for praktisk medicin, ny raekke 134(7), 710-714
Zusammenfassung
HINTERGRUND: Die medikamentöse Therapie von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) gilt allgemein als sicher. In Norwegen ist ein EKG-Screening gesunder Kinder und Jugendlicher vor Beginn einer solchen Behandlung üblich, obwohl empfohlen wird, EKGs nur bei Risikopatienten durchzuführen. Ziel dieses Artikels ist es, die relevanten Leitlinien zur kardiovaskulären Risikobewertung bei der Anwendung von ADHS-Medikamenten bei Kindern und Jugendlichen zu präzisieren und praktische Empfehlungen zu geben. METHODE: Der Artikel basiert auf einer Literaturrecherche in PubMed (Stand: 1. Oktober 2013) sowie auf der klinischen Erfahrung und den Einschätzungen des Autors. ERGEBNISSE: Die Anwendung von ZNS-Stimulanzien und Atomoxetin ist mit einem leichten Anstieg von Blutdruck und Pulsfrequenz sowie geringfügigen Veränderungen des QT-Intervalls verbunden. Bei einem kleinen Prozentsatz der Patienten (5–10 %) kommt es zu einem klinisch relevanten Anstieg von Blutdruck und Pulsfrequenz. Plötzlicher Herztod tritt bei Kindern und Jugendlichen, die ADHS-Medikamente in therapeutischer Dosis einnehmen, nicht häufiger auf als bei Kindern und Jugendlichen, die keine solchen Medikamente einnehmen. Es liegen nur wenige Erkenntnisse über die Langzeitwirkungen von ADHS-Medikamenten auf das Herz-Kreislauf-System ansonsten gesunder Personen oder über das Risiko im Zusammenhang mit der Anwendung von ADHS-Medikamenten bei Kindern und Jugendlichen mit Herzerkrankungen vor. Es wird angenommen, dass die Medikamente bei bestimmten Arrhythmie-Syndromen das Risiko eines plötzlichen Herztodes erhöhen. INTERPRETATION: Wir gehen davon aus, dass bei der Anwendung von ADHS-Medikamenten bei Kindern mit potenziell gefährlichen Herzrhythmusstörungen Vorsicht geboten ist. Wir empfehlen eine klinische Untersuchung und eine gründliche Anamnese, um Risikopatienten vor Beginn einer medikamentösen Therapie zu identifizieren. Wir schlagen außerdem vor, dass bei gesunden Kindern vor der Gabe von ADHS-Medikamenten kein EKG erforderlich ist. Bei Kindern mit bekannter Herzerkrankung, Arrhythmie oder Risikofaktoren für Herzerkrankungen sollte die ADHS-Behandlung in Absprache mit einem Facharzt für Kinderkardiologie erfolgen.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik, Medikamente
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Diagnostik, Atomoxetin, Stimulanzien, Hyperaktivität
