Schätzungen zur Prävalenz von ADHS über drei Jahrzehnte: eine aktualisierte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Regressionsanalyse
Guilherme Polanczyk, Erik Willcutt, Giovanni Salum, Christian Kieling, Luis Rohde (2014)
International Journal of Epidemiology 43(2), 434-442
Zusammenfassung
HINTERGRUND: Frühere Studien haben weltweit erhebliche Unterschiede in den Prävalenzschätzungen für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) festgestellt, die größtenteils auf methodische Unterschiede zurückzuführen sind. Die steigenden Diagnose- und Behandlungsraten von ADHS in den letzten Jahrzehnten haben jedoch Bedenken hinsichtlich der tatsächlichen Zunahme der Prävalenz der Störung im Laufe der Zeit verstärkt. METHODEN: Wir haben die beiden umfassendsten systematischen Übersichtsarbeiten zur ADHS-Prävalenz aktualisiert. Mittels Meta-Regressionsanalysen wurde der Einfluss des Studienjahres im Kontext methodischer Variablen, die die Variabilität der ADHS-Prävalenz beeinflussen (Diagnosekriterien, Beeinträchtigungskriterien und Informationsquellen), sowie des geografischen Standorts der Studien untersucht. ERGEBNISSE: Wir identifizierten 154 Originalstudien und schlossen 135 in die multivariate Analyse ein. Die untersuchten methodischen Verfahren korrelierten signifikant mit der Heterogenität der Studien. Der geografische Standort und das Studienjahr zeigten keinen Zusammenhang mit der Variabilität der ADHS-Prävalenzschätzungen. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Die Ergebnisse bestätigen frühere Befunde: Die Variabilität der Schätzungen zur ADHS-Prävalenz lässt sich größtenteils durch methodische Merkmale der Studien erklären. In den letzten drei Jahrzehnten gab es keine Hinweise darauf, dass die Anzahl der Kinder in der Bevölkerung, die die Kriterien für ADHS erfüllen, zugenommen hat, wenn standardisierte Diagnoseverfahren angewendet werden.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik, Therapie
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Diagnostik, Hyperaktivität, Prävalenz, Epidemiologie, Metaanalyse
