Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Kleinkindern: Prädiktoren für die diagnostische Stabilität
Evelyn Law, Georgios Sideridis, Lisa Prock, Margaret Sheridan (2014)
PEDIATRICS 133(4), 659-667
Zusammenfassung
ZIELE: Ziel dieser Studie war es, (1) die diagnostische Stabilität einer Stichprobe junger Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) nach umfassender multidisziplinärer Diagnostik zu ermitteln und (2) kindliche und familiäre Ausgangsmerkmale zu identifizieren, die die diagnostische Stabilität im Zeitverlauf vorhersagen. METHODEN: Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren und 11 Monaten, bei denen zwischen 2003 und 2008 in einer Klinik der Maximalversorgung nach multidisziplinärer Konsultation ADHS diagnostiziert wurde, wurden 2012 und 2013 erneut kontaktiert (N = 120). Primärer Endpunkt war der Anteil der Kinder, die weiterhin die Diagnosekriterien für ADHS erfüllten. Zur Identifizierung von Prädiktoren für die diagnostische Stabilität wurden logistische Regressionsmodelle verwendet. Zusätzlich wurde ein Latent-Class-Modell eingesetzt, um die Probanden unabhängig voneinander in verschiedene Cluster einzuteilen. ERGEBNISSE: In dieser Kohorte erfüllten 70,4 % der bei der Nachuntersuchung kontaktierten Kinder weiterhin die Diagnosekriterien für ADHS. Prädiktoren für die diagnostische Stabilität waren externalisierende und internalisierende Symptome zu Beginn der Studie, eine elterliche Psychopathologie und der sozioökonomische Status der Familie. Das latente Klassenmodell identifizierte unabhängig voneinander drei unterschiedliche Profile: (1) Kinder, die die ADHS-Kriterien nicht mehr erfüllten; (2) Kinder mit persistierender ADHS und hoher elterlicher Psychopathologie; und (3) Kinder mit persistierender ADHS und niedrigem sozioökonomischem Status der Familie. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Kleinkinder, die vor der ADHS-Diagnose umfassende entwicklungspsychologische und psychologische Untersuchungen durchlaufen hatten, wiesen höhere Raten an diagnostischer Stabilität auf als in früheren Studien mit Stichproben aus der Allgemeinbevölkerung. Kindliche und familiäre Faktoren, die die diagnostische Stabilität vorhersagen, können die Behandlungsplanung für Kinder mit ADHS vor dem siebten Lebensjahr unterstützen.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik, Therapie
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Diagnostik, Hyperaktivität, Geschlecht, Schule
