Psychiatrische Störungen von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter beim 22q11.2-Deletionssyndrom: Ergebnisse des Internationalen Konsortiums für Gehirn und Verhalten beim 22q11.2-Deletionssyndrom

Maude Schneider, Martin Debbane, Anne Bassett, Eva W C Chow, Wai Lun Alan Fung, Marianne van den Bree, Michael Owen, Kieran Murphy, Maria Niarchou, Wendy Kates, Kevin Antshel, Wanda Fremont, Donna McDonald-McGinn, Raquel Gur, Elaine Zackai, Jacob Vorstman, Sasja Duijff, Petra W J Klaassen, Ann Swillen, Doron Gothelf, Tamar Green, Abraham Weizman, Therese van Amelsvoort, Laurens Evers, Erik Boot, Vandana Shashi, Stephen Hooper, Carrie Bearden, Maria Jalbrzikowski, Marco Armando, Stefano Vicari, Declan Murphy, Opal Ousley, Linda Campbell, Tony Simon, Stephan Eliez (2014)

The American journal of psychiatry 171(6), 627-639

Zusammenfassung

ZIELSETZUNG: Das 22q11.2-Deletionssyndrom ist eine neurogenetische Erkrankung, die mit einer hohen Schizophrenierate und anderen psychiatrischen Erkrankungen einhergeht. Die Autoren berichten über die – ihres Wissens nach – erste groß angelegte Kooperationsstudie zu Häufigkeit und Geschlechtsverteilung psychiatrischer Erkrankungen vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter bei 22q11.2-Deletionssyndrom. In einer Untergruppe der Studienteilnehmer wurden die Zusammenhänge zwischen Psychopathologie, Intelligenz und Funktionsfähigkeit untersucht. METHODE: Die 1402 Studienteilnehmer mit 22q11.2-Deletionssyndrom im Alter von 6 bis 68 Jahren wurden mithilfe validierter Diagnoseinstrumente auf psychiatrische Erkrankungen untersucht. Daten zur Intelligenz und adaptiven Funktionsfähigkeit lagen für 183 Teilnehmer im Alter von 6 bis 24 Jahren vor. ERGEBNISSE: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) war die häufigste Störung bei Kindern (37,10 %) und trat bei Jungen überproportional häufig auf. Angststörungen waren in allen Altersgruppen häufiger als affektive Störungen, insbesondere aber bei Kindern und Jugendlichen. Angststörungen und unipolare affektive Störungen traten bei Frauen überproportional häufig auf. Psychotische Störungen lagen bei 41 % der Erwachsenen über 25 Jahren vor. Männer waren weder bei psychotischen Störungen noch bei Autismus-Spektrum-Störungen häufiger betroffen. Hierarchische Regressionsanalysen in der Subgruppe zeigten, dass die Fähigkeiten zur Bewältigung des Alltags durch das Vorliegen von Angststörungen vorhergesagt werden konnten. Es bestand kein Zusammenhang zwischen Psychopathologie und Kommunikations- oder Sozialisationsfähigkeiten. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Nach Kenntnis der Autoren handelt es sich hierbei um die größte Studie zur psychiatrischen Morbidität beim 22q11.2-Deletionssyndrom. Sie bestätigt frühere Befunde, dass diese Erkrankung einer der stärksten Risikofaktoren für Psychosen ist. Angststörungen und Entwicklungsstörungen traten ebenfalls häufig auf. Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, die langfristige Belastung durch Psychopathologie beim 22q11.2-Deletionssyndrom zu überwachen und zu reduzieren.

Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, ADHS bei Kindern, Diagnostik

Schlagwörter: ADHS, ADHS im Erwachsenenalter, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Diagnostik, Hyperaktivität, Angst, Autismus-Spektrum-Störung, Genetik, Geschlecht

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