Nutzung komplementärer und alternativer medizinischer Therapien bei Jugendlichen mit psychischen Problemen

Kathi Kemper, Paula Gardiner, Gurjeet Birdee (2013)

Academic pediatrics 13(6), 540-545

Zusammenfassung

HINTERGRUND: Die Anwendung komplementärer und alternativer Heilmethoden (CAM) ist bei Erwachsenen mit psychischen Erkrankungen weit verbreitet. Über die CAM-Nutzung bei Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen ist jedoch wenig bekannt. METHODEN: Daten der National Health Interview Survey von 2007 wurden für Jugendliche im Alter von 7 bis 17 Jahren analysiert. Die Studie konzentrierte sich auf drei häufige psychische Erkrankungen: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Angststörungen und Depressionen. Die Nutzung von CAM-Therapien wurde anhand der Kriterien des National Center for Complementary and Alternative Medicine der National Institutes of Health (NIH) identifiziert. ERGEBNISSE: In einer Stichprobe von 5651 Personen, die 7 Millionen Jugendliche repräsentieren und in den letzten 12 Monaten mindestens eine psychische Erkrankung aufwiesen, nutzten 28,9 % mindestens eine CAM-Therapie (ohne Vitamine/Mineralstoffe). Im Gegensatz dazu gaben nur 11,6 % der Jugendlichen ohne psychische Erkrankungen die Nutzung von CAM-Therapien an (p < 0,05). Bei Jugendlichen mit einer oder mehreren psychischen Erkrankungen waren die am häufigsten genutzten komplementärmedizinischen Therapien (CAM) Körper-Geist-Therapien (16,3 %) und biologisch basierte Therapien (11 %). Direkt zugängliche Therapien wurden häufiger genutzt (18,6 %) als Gruppentherapien (11,8 %) oder Therapien, die von einer medizinischen Fachkraft durchgeführt wurden (10,2 %). Im multivariablen Regressionsmodell zeigten sich folgende demografische Faktoren als signifikant mit der Nutzung von CAM assoziiert: höheres Haushaltseinkommen, höhere Bildung der Eltern, Vorliegen anderer chronischer Erkrankungen, Einnahme verschreibungspflichtiger Medikamente und finanzielle Schwierigkeiten bei der Inanspruchnahme psychologischer Beratung. FAZIT: Leicht zugängliche CAM-Therapien werden häufig von Jugendlichen mit ADHS, Depressionen und Angststörungen genutzt, insbesondere von solchen mit komorbiden chronischen Erkrankungen, die verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen und sich keine Beratung leisten können. Kliniker können diese Daten für die Beratung und die Anamnese nutzen. Forscher sollten den langfristigen Zusammenhang zwischen dem Zugang zu einer integrierten Versorgung im Rahmen eines medizinischen Versorgungszentrums und der Nutzung von CAM-Therapien bei Jugendlichen mit psychischen Problemen untersuchen.

Kategorien: ADHS bei Kindern, Affektive Störungen, Medikamente

Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Komorbidität, Hyperaktivität, Depression, Angst, Geschlecht

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