Zusammenhang zwischen Phthalaten und Aufmerksamkeitsdefizitstörung sowie Lernbehinderung bei US-amerikanischen Kindern im Alter von 6 bis 15 Jahren
Vidita Chopra, Kim Harley, Maureen Lahiff, Brenda Eskenazi (2014)
Environmental Research 128, 64-69
Zusammenfassung
ZIEL: Diese Studie untersucht den Zusammenhang zwischen der Konzentration von Phthalatmetaboliten im Urin und Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADHS), Lernstörung (LS) sowie dem gleichzeitigen Auftreten von ADHS und LS bei Kindern im Alter von 6 bis 15 Jahren. METHODEN: Wir verwendeten Querschnittsdaten der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES, 2001–2004). Untersucht wurden Phthalatmetaboliten, die in ≥75 % der Urinproben nachgewiesen wurden. Die Studienpopulation umfasste 1493 Kinder, für die von den Eltern Angaben zur ADHS- oder LS-Diagnose und zu den Phthalatkonzentrationen im Urin vorlagen. Die Phthalatkonzentrationen wurden für die Analyse auf den Kreatininwert adjustiert und logarithmisch (log10) transformiert. Alle Modelle wurden hinsichtlich Geschlecht, Alter, ethnischer Zugehörigkeit, Haushaltseinkommen, Blutbleispiegel und mütterlichem Rauchen während der Schwangerschaft kontrolliert. ERGEBNISSE: In der Stichprobe fanden sich 112 Fälle von ADHS, 173 Fälle von LS und 56 Fälle mit gleichzeitigem Auftreten von ADHS und LS. Nach Berücksichtigung potenzieller Störfaktoren zeigte sich ein erhöhtes Risiko für ADHS bei steigender Harnkonzentration von Di-2-ethylhexylphthalaten (OR: 2,1; 95 %-KI: 1,1–3,9) und hochmolekularen Phthalaten (OR: 2,7; 95 %-KI: 1,2–6,1). Dibutylphthalate (OR: 3,3; 95 %-KI: 0,9–12,7) und hochmolekulare Phthalate (OR: 3,7; 95 %-KI: 0,9–14,8) waren zudem tendenziell mit einem erhöhten Risiko für das gleichzeitige Auftreten von ADHS und Lernstörungen assoziiert. Für Phthalate allein und Lernstörungen konnten wir keine Assoziationen feststellen. In einigen Modellen beobachteten wir bei Mädchen stärkere Assoziationen zwischen Phthalaten und ADHS sowie zwischen ADHS und Lernstörungen als bei Jungen. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Wir fanden in Querschnittsstudien Hinweise darauf, dass bestimmte Phthalate mit einem erhöhten Risiko für ADHS und sowohl ADHS als auch Lernstörungen einhergehen. Weitere Untersuchungen mit Längsschnittdaten sind erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik, Teilleistungsstörungen
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Diagnostik, Komorbidität, Hyperaktivität, Geschlecht
