Eine Positronen-Emissions-Tomographie-Studie zu nigrostriatalen dopaminergen Mechanismen, die der Aufmerksamkeit zugrunde liegen: Implikationen für ADHS und dessen Behandlung

Natalia del Campo, Tim Fryer, Young Hong, Rob Smith, Laurent Brichard, Julio Acosta-Cabronero, Samuel Chamberlain, Roger Tait, David Izquierdo, Ralf Regenthal, Jonathan Dowson, John Suckling, Jean-Claude Baron, Franklin Aigbirhio, Trevor Robbins, Barbara Sahakian, Ulrich Muller (2013)

Brain : a journal of neurology 136(Pt 11), 3252-3270

Zusammenfassung

In dieser Studie wurden mittels kombinierter Positronenemissionstomographie (PET) mit (18)F-Fallyprid und Magnetresonanztomographie (MRT) die neuronalen Mechanismen der Aufmerksamkeitsdefizite bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sowie deren mögliche Umkehrbarkeit durch eine einmalige therapeutische Dosis Methylphenidat untersucht. Sechzehn erwachsene ADHS-Patienten und 16 alters- und geschlechtsentsprechende gesunde Kontrollpersonen wurden mittels PET und MRT untersucht und nach oraler Gabe von Methylphenidat (0,5 mg/kg) bzw. Placebo in einem intraindividuellen, doppelblinden Cross-over-Design mit einem computergestützten Aufmerksamkeitstest geprüft. Obwohl die ADHS-Patienten als Gruppe signifikante Aufmerksamkeitsdefizite und ein reduziertes Volumen der grauen Substanz in fronto-striato-zerebellären und limbischen Netzwerken aufwiesen, zeigten sie nach der Methylphenidat-Behandlung eine vergleichbare D2/D3-Rezeptorverfügbarkeit und einen vergleichbaren Anstieg des endogenen Dopamins wie die gesunden Kontrollpersonen. Bei Probanden mit Aufmerksamkeitsdefiziten sowohl aus der ADHS-Gruppe als auch aus der Kontrollgruppe war die Dopaminaktivität im linken Nucleus caudatus signifikant reduziert. Methylphenidat erhöhte die Dopaminspiegel in allen nigrostriatalen Regionen signifikant und normalisierte so die Dopaminwerte im linken Nucleus caudatus bei den leistungsschwachen Probanden. Unabhängig von der Diagnose verbesserte Methylphenidat die Daueraufmerksamkeit leistungsabhängig. Parallel dazu zeigte sich ein ebenfalls leistungsabhängiger Effekt des Medikaments auf die Dopaminfreisetzung im Mittelhirn, wobei die leistungsschwachen Probanden eine reduzierte Dopaminfreisetzung in dieser Region aufwiesen. Zusammenfassend stützen diese Ergebnisse ein dimensionales Modell von Aufmerksamkeitsdefiziten und den zugrunde liegenden nigrostriatalen dopaminergen Mechanismen der ADHS, das auch für die gesunde Bevölkerung relevant ist. Darüber hinaus weisen sie den Dopamin-Autorezeptoren im Mittelhirn eine bisher vernachlässigte Rolle in der therapeutischen Wirkung von oralem Methylphenidat bei ADHS zu. Das Fehlen signifikanter Unterschiede in der Verfügbarkeit von D2/D3-Rezeptoren zwischen Fall- und Kontrollgruppe (trotz der beobachteten Zusammenhänge zwischen Dopaminaktivität und Aufmerksamkeit) deutet darauf hin, dass eine Dopamin-Dysregulation an sich wahrscheinlich nicht die primäre Ursache der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Erwachsenen ist. Diese Schlussfolgerung wird durch den Nachweis neuroanatomischer Veränderungen bei denselben ADHS-Patienten gestützt.

Kategorien: Diagnostik, Medikamente, Therapie

Schlagwörter: ADHS, Erwachsene, Diagnostik, Methylphenidat, Hyperaktivität, MRT, Geschlecht

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