Psychometrische Eigenschaften von ADHS-Screening- und Diagnoseinstrumenten bei Patienten mit schweren Substanzgebrauchsstörungen
Norman Therribout, Lucia Romo, Thibault Hennequin, Clara Chrétienneau, Lucie Davost, Tatiana Fontaine, Frank Bellivier, Florence Vorspan, Alexandra Dereux, Emily Karsinti, Romain Icick (2026)
International Journal of Clinical and Health Psychology 26(1), 100682
Zusammenfassung
Ziel: Vergleich mehrerer Instrumente zur ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen mit Substanzgebrauchsstörung (SUD) innerhalb eines mehrstufigen diagnostischen Verfahrens. Methode: 82 Patienten mit SUD und Verdacht auf ADHS durchliefen das Verfahren. Sie bearbeiteten zwei Fragebögen, die Adult Self Report Scale (ASRS-6) und die Wender Utah Rating Scale (WURS-25), sowie drei Interviews: das Mini International Neuropsychiatric Interview (MINI-S), das Dual Diagnosis Screening Interview (DDSI) und das Diagnostisch Interview Voor ADHD (DIVA-5). Als Referenz diente ein Konsensurteil geschulter Psychiater und Psychologen auf Basis aller Erhebungen. Ergebnisse: Alle Instrumente zeigten eine gute Sensitivität (0,81–0,98), eine gute Spezifität erreichte jedoch nur das DIVA-5 (0,88). Der negative prädiktive Wert war bei angenommener ADHS-Prävalenz von 23 % für alle Instrumente hoch (0,88–0,99), einen guten positiven prädiktiven Wert erreichte nur das DIVA-5 (0,71). Schlussfolgerung: ASRS, WURS, MINI und DDSI sind bei SUD-Patienten brauchbare Screeningverfahren; für die Diagnosesicherung liefert das DIVA-5 die verlässlichsten Informationen. Offen bleibt, wie sich eine vorgeschaltete standardisierte Komorbiditätsdiagnostik auf die Genauigkeit des DIVA-5 auswirkt.
Kategorien: Diagnostik, Sucht
Schlagwörter: ADHS im Erwachsenenalter, Diagnostik, Sucht, Komorbidität, Validität, Psychologische Tests
