Ein Vergleich der klinischen Merkmale zwischen männlichen und weiblichen Jugendlichen mit Essstörungen

Elisabeth Welch, Ata Ghaderi, Ingemar Swenne (2015)

BMC Psychiatry 15, 45

Zusammenfassung

HINTERGRUND: Essstörungen sind schwerwiegende Erkrankungen, die das psychische und physische Wohlbefinden der Betroffenen negativ beeinflussen. Obwohl Essstörungen beide Geschlechter betreffen, sind Männer in der Forschung häufig unterrepräsentiert, und die Stichproben sind, wenn sie einbezogen werden, oft zu klein für separate Analysen. Daher ist unser Bild der klinischen Merkmale von Männern mit Essstörungen unklar und mitunter widersprüchlich. Ziel der vorliegenden Studie war es, unser Verständnis der klinischen Merkmale von jugendlichen Jungen mit Essstörungen zu verbessern. METHODEN: Wir verglichen das Alter und das Gewicht bei der Erstvorstellung, die Vorgeschichte signifikant unterschiedlichen Gewichts sowie psychiatrische (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)) und somatische Komorbiditäten (Zöliakie und Diabetes) von 58 Jungen mit 606 Mädchen, die sich zwischen 1999 und 2012 aufgrund von Essstörungen im Kinderkrankenhaus Uppsala, Schweden, in ärztliche Behandlung begaben. Da bei allen Jungen entweder Anorexia nervosa (AN) oder eine atypische AN im Rahmen einer anderen spezifischen Fütter- oder Essstörung (OSFED) diagnostiziert wurde, beschränkten sich die Alters- und Gewichtsvergleiche auf jene Mädchen, die die Diagnosekriterien für AN oder eine atypische AN im Rahmen einer OSFED erfüllten. ERGEBNISSE: Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied im Alter bei der Erstvorstellung. Die Unterschiede im Gewicht bei der Erstvorstellung und in der Gewichtsanamnese vor der Erkrankung waren uneinheitlich. Ein signifikant höherer Prozentsatz der Jungen wies in der Anamnese einen BMI auf, der mehr als zwei Standardabweichungen über dem Mittelwert der jeweiligen Altersgruppe lag. Zudem war ADHS bei den Jungen häufiger, während Zöliakie und Diabetes nur bei den Mädchen festgestellt wurden. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Ein besseres Verständnis der klinischen Merkmale von Jungen mit Essstörungen bei der Erstvorstellung sollte unsere Fähigkeit verbessern, Jungen mit Essstörungen zu identifizieren und somit dazu beitragen, die besten Behandlungsalternativen individuell anzupassen.

Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik, Therapie

Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Diagnostik, Komorbidität, Hyperaktivität, Prävalenz, Geschlecht

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