Genetische Kandidatenwege für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zeigen einen Zusammenhang mit hyperaktiven/impulsiven Symptomen bei Kindern mit ADHS.
Janita Bralten, Barbara Franke, Irwin Waldman, Nanda Rommelse, Catharina Hartman, Philip Asherson, Tobias Banaschewski, Richard Ebstein, Michael Gill, Ana Miranda, Robert Oades, Herbert Roeyers, Aribert Rothenberger, Joseph Sergeant, Jaap Oosterlaan, Edmund Sonuga-Barke, Hans-Christoph Steinhausen, Stephen Faraone, Jan Buitelaar, Alejandro Arias-Vasquez (2013)
Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry 52(11), 1204-1212.e1
Zusammenfassung
ZIEL: Da angenommen wird, dass mehrere Gene mit geringen Effektstärken an der Ätiologie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) beteiligt sind, erhöht die Berücksichtigung mehrerer Varianten in derselben Analyse wahrscheinlich die insgesamt erklärte phänotypische Varianz und steigert somit die Aussagekraft genetischer Studien. Diese Studie untersuchte, ob eine Pathway-basierte Analyse Wissenschaftlern helfen kann, die Biologie von ADHS besser zu verstehen. METHODE: Der Pathway wurde als vordefinierte Genauswahl auf Basis einer etablierten Datenbank oder Literaturdaten beschrieben. Häufige genetische Varianten in Pathways, die an der Dopamin-/Noradrenalin- und Serotonin-Neurotransmission beteiligt sind, sowie in Genen, die am Neuritenwachstum beteiligt sind, wurden in Fällen der International Multicentre ADHD Genetics (IMAGE)-Studie untersucht. Mittels multivariabler Analyse wurden die Effekte einzelner genetischer Varianten innerhalb der Pathway-Gene kombiniert. Als Phänotypen dienten die Anzahl der DSM-IV-Symptome für Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität/Impulsivität (n = 871) sowie der Schweregrad der Symptome, gemessen mit den Conners-Eltern- (n = 930) und Lehrerbeurteilungsskalen (n = 916). ERGEBNISSE: Die Summe der genetischen Effekte häufiger genetischer Varianten innerhalb der untersuchten Signalwege zeigte einen signifikanten Zusammenhang mit hyperaktiven/impulsiven Symptomen (p = 0,007), jedoch nicht mit unaufmerksamen Symptomen (p = 0,73). Die Analyse der von den Eltern bewerteten Conners-Werte für hyperaktive/impulsive Symptome bestätigte dieses Ergebnis (p = 0,0018). Die von den Lehrern bewerteten Conners-Werte zeigten keinen Zusammenhang. Post-hoc-Analysen zeigten einen signifikanten Beitrag aller Signalwege zur hyperaktiven/impulsiven Symptomdomäne (Dopamin/Noradrenalin, (p)empirisch = 0,0004; Serotonin, (p)empirisch = 0,0149; neuritisches Wachstum, (p)empirisch = 0,0452). FAZIT: Die vorliegende Analyse zeigt einen Zusammenhang zwischen häufigen Varianten in drei genetischen Signalwegen und der hyperaktiven/impulsiven Komponente von ADHS. Diese Studie belegt, dass Signalweg-basierte Assoziationsanalysen unter Verwendung quantitativer Messungen von ADHS-Symptomdomänen die Aussagekraft genetischer Analysen zur Identifizierung biologischer Risikofaktoren dieser Störung erhöhen können.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik
Schlagwörter: ADHS, ADHS bei Kindern, Kinder, Jugendliche, Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität, Genetik, Geschlecht, Schule
