Schwere Verkehrsunfälle bei Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und die Wirkung von Medikamenten: eine bevölkerungsbasierte Studie
Zheng Chang, Paul Lichtenstein, Brian D'Onofrio, Arvid Sjolander, Henrik Larsson (2014)
JAMA Psychiatry 71(3), 319-325
Zusammenfassung
Bedeutung: Studien haben gezeigt, dass Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) mit Verkehrsunfällen in Zusammenhang steht, das Ausmaß dieses Zusammenhangs ist jedoch unklar. Insbesondere ist unklar, ob ADHS-Medikamente dieses Risiko verringern. Ziele: Abschätzung des Zusammenhangs zwischen ADHS und dem Risiko schwerer Verkehrsunfälle sowie Untersuchung des Einflusses von ADHS-Medikamenten auf dieses Risiko bei Patienten mit ADHS. Studiendesign, Setting und Teilnehmer: Insgesamt wurden 17.408 Patienten mit einer ADHS-Diagnose vom 1. Januar 2006 bis zum 31. Dezember 2009 hinsichtlich schwerer Verkehrsunfälle, die in schwedischen nationalen Registern dokumentiert wurden, beobachtet. Der Zusammenhang zwischen ADHS und Unfällen wurde mittels Cox-Regressionsanalyse mit proportionalen Risiken geschätzt. Um den Effekt von ADHS-Medikamenten zu untersuchen, wurde eine stratifizierte Cox-Regression verwendet, um das Unfallrisiko während der Medikamenteneinnahme mit dem Risiko während der medikamentenfreien Phase bei denselben Patienten zu vergleichen. HAUPTERGEBNISSE UND MESSGRÖSSEN: Schwerer Verkehrsunfall, definiert als Notfallaufnahme im Krankenhaus oder Tod infolge eines Verkehrsunfalls. ERGEBNISSE: Im Vergleich zu Personen ohne ADHS hatten männliche (adjustierte Hazard Ratio 1,47; 95 %-KI 1,32–1,63) und weibliche Patienten mit ADHS (1,45; 1,24–1,71) ein erhöhtes Risiko für schwere Verkehrsunfälle. Bei männlichen Patienten mit ADHS war die medikamentöse Behandlung mit einer Risikoreduktion von 58 % verbunden (Hazard Ratio 0,42; 95 %-KI 0,23–0,75), bei weiblichen Patienten zeigte sich jedoch kein statistisch signifikanter Zusammenhang. Schätzungen der populationsattributablen Fraktionen legten nahe, dass 41 % bis 49 % der Unfälle bei männlichen Patienten mit ADHS hätten vermieden werden können, wenn diese während des gesamten Beobachtungszeitraums behandelt worden wären. SCHLUSSFOLGERUNGEN UND RELEVANZ: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist mit einem erhöhten Risiko schwerer Verkehrsunfälle verbunden. Dieses Risiko scheint durch ADHS-Medikamente, zumindest bei männlichen Patienten, möglicherweise reduziert zu werden. Dies sollte zu einem verstärkten Bewusstsein bei Ärzten und Patienten für den Zusammenhang zwischen schweren Verkehrsunfällen und ADHS-Medikation führen.
Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Diagnostik, Medikamente
Schlagwörter: ADHS, Jugendliche, Erwachsene, Diagnostik, Hyperaktivität, Geschlecht
