Schwierigkeiten der Emotionsverarbeitung bei ADHS: Eine bayesianische Metaanalyse

Ana-María Soler-Gutiérrez, Alberto J. Sánchez-Carmona, Jacobo Albert, José Antonio Hinojosa, Samuele Cortese, Alessio Bellato, Julia Mayas (2025)

European Child & Adolescent Psychiatry 34(8), 2369-2390

Zusammenfassung

Untersucht wurde, ob bei ADHS ein Defizit der Emotionsverarbeitung vorliegt und ob dieses nur bestimmte Emotionskategorien betrifft. In dieser PRISMA-konformen systematischen Übersicht mit präregistriertem Protokoll wurden MEDLINE, PsycINFO, ERIC, Scopus und Web of Science bis zum 3. Dezember 2023 durchsucht, um empirische Studien zu finden, die die Emotionsverarbeitung von Personen mit ADHS nach DSM- (III bis 5-TR) oder ICD-Kriterien (9 oder 10) mit einer nicht-psychiatrischen Kontrollgruppe vergleichen. Die Studienqualität wurde mit dem AXIS-Instrument bewertet. Eingeschlossen und metaanalytisch ausgewertet wurden 80 Studien mit 6.191 Teilnehmenden und 465 Beobachtungen. Bayesianische Metaanalysen verglichen Personen mit ADHS und Kontrollen zunächst über Gesamtmaße der Emotionsverarbeitung und anschließend über einzelne Emotionskategorien; Stimulusart, Ergebnismaß, Alter, Geschlecht und Medikationsstatus wurden als Moderatoren geprüft. Personen mit ADHS zeigten sowohl insgesamt (g = −0,65) als auch über die Kategorien hinweg schlechtere Leistungen (Wut g = −0,37; Ekel g = −0,24; Angst g = −0,37; Trauer g = −0,34; Überraschung g = −0,26; Freude/positiv g = −0,31; negativ g = −0,20; neutral g = −0,25). Die wirksamsten Moderatoren waren Skalenitems und Genauigkeitsmaße; Effekte von Alter, Geschlecht oder Medikation fanden sich nicht. Beeinträchtigte Emotionsverarbeitung ist demnach ein relevantes Merkmal der ADHS und sollte klinisch systematisch erfasst werden.

Kategorien: ADHS Allgemein, ADHS bei Kindern

Schlagwörter: Emotionen, Emotionsregulation, Metaanalyse, ADHS, Kinder und Jugendliche

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