Forschungsstand und künftige Richtungen zur ADHS bei Frauen: Das lebenslange Zusammenspiel hormoneller Schwankungen mit Stimmung, Kognition und Erkrankungen

J. J. Sandra Kooij, Maxime de Jong, Jessica Agnew-Blais, Silvia Amoretti, Kathrine Bang Madsen, Isabella Barclay, Sven Bölte, Charlotte Borg Skoglund, Thomas Broughton, Sara Carucci, Dorenda K. E. van Dijken, Julia Ernst, Blandine French, Matilda A. Frick, Cédric Galera, Annabeth P. Groenman, Helena Kopp Kallner, Julia Kerner auch Koerner, Sarah Kittel-Schneider, Iris Manor, Joanna Martin, Emilia Matera, Valeria Parlatini, Alexandra Philipsen, Josep Anthoni Ramos-Quiroga, Iris L. Rapoport, Karl Lundin Remnélius, Amandine Sénéquier, Lisa Thorell, Janneke M. E. Wittekoek, Dora Wynchank (2025)

Frontiers in Global Women's Health 6, 1613628

Zusammenfassung

Einleitung: ADHS bei Mädchen und Frauen wird unzureichend erkannt und beforscht, obwohl klinische Herausforderungen und unerfüllte Bedarfe zunehmend bekannt sind. Diese Übersicht der Eunethydis Special Interest Group on Female ADHD fasst den Wissensstand zusammen und benennt Forschungslücken. Thematisiert werden späte Diagnose, Pubertätsentwicklung, sexuelle Gesundheit, hormonelle Kontrazeption, exekutive Funktionsschwierigkeiten und mit ADHS assoziierte gynäkologische Erkrankungen über die Lebensspanne. Methode: Synthese der vorhandenen Literatur zusammen mit selbstberichteten Erfahrungen von Frauen mit ADHS, um die Auswirkungen hormoneller Schwankungen (Pubertät, Menstruationszyklus, Schwangerschaft, (Peri-)Menopause) auf Symptome und Stimmung zu untersuchen. Betrachtet wird das Zusammenspiel von Östrogen und Progesteron mit dopaminergen Bahnen, wobei Phasen niedrigeren Östrogens die Kognition beeinträchtigen können. Ergebnisse: Hormonelle Übergänge verstärken ADHS-Symptome und Stimmungsstörungen, während pharmakologische Forschung und zugeschnittene Behandlungen fehlen. Exekutive Defizite zeigen sich bei Mädchen und Frauen anders und werden von neuropsychologischen und neurobiologischen Profilen beeinflusst. Diagnostische Praxis und soziokulturelle Faktoren tragen zu verzögerten Diagnosen bei und erhöhen das Risiko für Komorbiditäten, Funktionsbeeinträchtigung und verminderte Lebensqualität. Undiagnostizierte Frauen sind anfälliger für prämenstruelle dysphorische Störung, postpartale Depression und kardiovaskuläre Erkrankungen in der Perimenopause. Diskussion: Nötig sind längsschnittliche, geschlechtsspezifische Studien, die Hormonstatus und Erfahrungswissen einbeziehen, sowie individualisierte Interventionen.

Kategorien: ADHS Allgemein, ADHS bei Erwachsenen, Diagnostik

Schlagwörter: Geschlecht, ADHS im Erwachsenenalter, Frauen, Diagnostik, Exekutive Funktionen, Komorbidität, Lebensqualität

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