Interpretation der Ergebnisse eines retrospektiven Vergleichs von Test- und Referenzbehandlungen in einer randomisierten klinischen Studie

Moshe Fridman, M. Erder (2015)

Clinical drug investigation 35(2), 133-140

Zusammenfassung

HINTERGRUND UND ZIELE: Der retrospektive Vergleich von Test- und Referenzbehandlungsarmen in einer randomisierten prospektiven klinischen Studie ist potenziell nützlich für die ökonomische Modellierung zur Beurteilung der Kosteneffektivität alternativer Therapien. METHODEN: Um die Aussagekraft solcher retrospektiver Vergleiche zu erhöhen, schlagen wir die Anwendung der folgenden Anpassungen der Signifikanzniveaus vor, die mit Standardmethoden der Statistik ermittelt wurden: (1) ein Signifikanztest für die untere Grenze des 95%-Konfidenzintervalls für die beobachtete Differenz, (2) eine konservative Bonferroni-Korrektur für multiple Vergleiche, (3) ein angepasster p-Wert, berechnet mit dem Scheffé-Test, und (4) Bayes'sche 95%-Glaubwürdigkeitsintervalle mit einer auf Null zentrierten A-priori-Wahrscheinlichkeit. ERGEBNISSE: Diese Anpassungen wurden auf Daten einer randomisierten, doppelblinden, parallelen Studie (SPD489-325) angewendet, die die Wirksamkeit und Sicherheit von Lisdexamfetamin-Dimesylat (LDX) bei Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) belegte. Prospektiv geplante Analysen zeigten, dass die Reduktion der ADHS-Symptome bei Patienten, die entweder mit LDX oder dem Referenzpräparat, osmotisch freisetzendem Methylphenidat (OROS-MPH), behandelt wurden, signifikant größer war als unter Placebo. Retrospektive Analysen ergaben, dass die Verbesserung der ADHS-Symptome bei mit LDX behandelten Patienten größer war als bei mit OROS-MPH behandelten. Wir zeigen nun, dass diese Beobachtung auch nach Anwendung der vier statistischen Strafen signifikant blieb. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Durch die Anpassung des Signifikanzniveaus ist es möglich, solche retrospektiven Ergebnisse quantitativ mit prospektiv definierten Vergleichen zu vergleichen. Die qualitative Aussagekraft solcher retrospektiver Evidenz sollte jedoch derjenigen aus prospektiv festgelegten Vergleichen in einer randomisierten klinischen Studie untergeordnet bleiben.

Kategorien: ADHS bei Kindern, Medikamente, Therapie

Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Methylphenidat, Lisdexamfetamin, Amphetamin, Hyperaktivität

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