Nachweis von Autoantikörpern gegen DAT im Serum: Wechselwirkungen mit dem DAT-Genotyp und der Psychostimulanzientherapie bei ADHS
Grazia Giana, Emilia Romano, Maria Porfirio, Roberto D'Ambrosio, Silvia Giovinazzo, Miriam Troianiello, Eleonora Barlocci, Domenica Travaglini, Oleg Granstrem, Esterina Pascale, Luigi Tarani, Paolo Curatolo, Giovanni Laviola, Walter Adriani (2015)
Journal of Neuroimmunology 278, 212-222
Zusammenfassung
Das Interesse an der Rolle von Autoimmunprozessen in der Neuropsychiatrie wächst. Wir untersuchten die Autoantikörper gegen den Dopamintransporter (DAT-aAbs) bei 61 Kindern (46 mit ADHS gemäß DSM-IV-TR-Kriterien, 15 gesunde Kontrollpersonen). METHODEN: ADHS-Patienten wurden je nach Schweregrad entweder einer nicht-pharmakologischen Therapie (NPT, N=32) oder einer pharmakologischen Behandlung (PT, N=14) mit Methylphenidat (MPH) zugeteilt. Bei den ADHS-Kindern wurden zweimal Blutproben entnommen: bei Studienbeginn (T0, Basalwert) und nach 6 Wochen (T1). Nach Ausschluss von 16 Probanden wurde der DAT-Genotyp bestimmt (9-Repeat- oder 10-Repeat-Allele; jeweils N=15). Nach 18 Monaten NPT oder PT wurde einigen Patienten (mit mindestens einem 9-Repeat-Allel) erneut Blut abgenommen (T2), um die Werte mit denen gesunder Kontrollpersonen zu vergleichen (n=8). ERGEBNISSE: Im Vergleich zur NPT waren die basalen DAT-aAbs-Titer bei den schwerstbetroffenen Patienten (die dann der PT-Gruppe zugeordnet wurden) höher, insbesondere bei Vorliegen des DAT-10/10-Genotyps. Die DAT-aAbs-Werte der NPT-Gruppe korrelierten stark mit verschiedenen Subskalen der Conners-Eltern-/Lehrer-Skalen (Rs>0,34), insbesondere beim DAT-10/10-Genotyp (Rs>0,53). Während die Titer bei T1 im Vergleich zum Ausgangswert (T0) bei den NPT-Kindern erhöht waren, wurde ein solcher Anstieg bei den PT-Patienten mit mindestens einem 9-Repeat-Allel, die ebenfalls ein Ansprechen auf die subchronische MPH-Gabe zeigten, nicht beobachtet. Nach 12–24 Monaten MPH-Exposition waren die DAT-aAb-Titer bei PT-Patienten vergleichbar mit denen gesunder Kontrollpersonen, während die Titer bei NPT-Patienten signifikant erhöht blieben. Die Daten rechtfertigen weitere Untersuchungen zu Serum-DAT-aAbs, die zur Bestätigung der ADHS-Diagnose und/oder zur Überwachung der therapeutischen Wirksamkeit von MPH eingesetzt werden könnten.
Kategorien: Diagnostik, Medikamente, Therapie
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Diagnostik, Methylphenidat, Stimulanzien, Hyperaktivität, Geschlecht, Schule
