Kanadische Leitlinien zur Pharmakotherapie von störendem und aggressivem Verhalten bei Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, oppositionellem Trotzverhalten oder Verhaltensstörung
Daniel Gorman, David Gardner, Andrea Murphy, Mark Feldman, Stacey Belanger, Margaret Steele, Khrista Boylan, Kate Cochrane-Brink, Roxanne Goldade, Paul Soper, Judy Ustina, Tamara Pringsheim (2015)
Canadian journal of psychiatry. Revue canadienne de psychiatrie 60(2), 62-76
Zusammenfassung
ZIEL: Entwicklung evidenzbasierter Leitlinien zur Pharmakotherapie schwerer Verhaltensstörungen und Aggressionen bei Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), oppositionellem Trotzverhalten (ODD) oder Störung des Sozialverhaltens (CD). Die Leitlinien setzen voraus, dass psychosoziale Interventionen durchgeführt wurden, jedoch keine ausreichende Verbesserung erzielten. METHODE: Eine multidisziplinäre Expertengruppe bewertete die Evidenzqualität und die Empfehlungen mithilfe des GRADE-Systems (Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation). Wir führten eine systematische Übersichtsarbeit zu Medikamenten durch, die in placebokontrollierten Studien zur Behandlung von Verhaltensstörungen und Aggressionen bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS, ODD oder CD untersucht wurden. Gemäß den Konsensverfahren wurde für jedes Medikament eine von vier Empfehlungen ausgesprochen: stark (↑↑), bedingt (↑?), bedingt (↓?) und stark (↓↓). ERGEBNISSE: Für Kinder und Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten oder aggressivem Verhalten im Zusammenhang mit ADHS wurde die Anwendung von Psychostimulanzien stark empfohlen, während Atomoxetin und Alpha-2-Agonisten eine bedingte Empfehlung erhielten. Bei unzureichender Wirksamkeit von ADHS-Medikamenten ist Risperidon das am besten belegte Medikament. Risperidon ist auch am besten für die Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten oder aggressivem Verhalten ohne ADHS belegt. Aufgrund seiner schwerwiegenden Nebenwirkungen erhielt Risperidon jedoch nur eine bedingte Empfehlung. Von der Anwendung von Quetiapin, Haloperidol, Lithium und Carbamazepin wurde aufgrund der geringen Evidenzqualität und der schwerwiegenden Nebenwirkungen abgeraten. SCHLUSSFOLGERUNG: Bei stark ausgeprägten Verhaltensauffälligkeiten oder aggressivem Verhalten im Zusammenhang mit ADHS sollten zunächst ADHS-Medikamente eingesetzt werden. Andere Medikamente weisen schwerwiegende Nebenwirkungen auf, und mit Ausnahme von Risperidon ist die Evidenz für ihre Anwendung sehr begrenzt.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Medikamente, Störung des Sozialverhaltens
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Diagnostik, Atomoxetin, Stimulanzien, Hyperaktivität, Störung des Sozialverhaltens, Metaanalyse, Aggression
