Wege zu suizidalem Verhalten bei Nachkommen von Müttern mit Depressionen: die Rolle der Psychopathologie der Nachkommen

Gemma Hammerton, Stanley Zammit, Liam Mahedy, Rebecca Pearson, Ruth Sellers, Anita Thapar, Stephan Collishaw (2015)

Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry 54(5), 385-393

Zusammenfassung

ZIELSETZUNG: Kinder von Müttern mit Depressionen stellen eine Hochrisikogruppe für die Entwicklung suizidalen Verhaltens dar. Diese Kinder haben daher Priorität für präventive Interventionen; die Risikofaktoren, einschließlich spezifischer Aspekte der Psychopathologie der Kinder, sind jedoch noch unklar. Ziel dieser Studie war es, zu untersuchen, ob Symptome einer Major Depression (MDD), einer generalisierten Angststörung (GAD), einer Störung des Sozialverhaltens (DBD), einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Alkoholmissbrauch bei den Kindern unabhängig voneinander den Zusammenhang zwischen mütterlicher Depression und suizidalem Verhalten der Kinder vermitteln. METHODE: Es wurden Daten einer bevölkerungsbasierten Geburtskohorte, der Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC), verwendet. Drei unterschiedliche Schweregrade von Depressionssymptomen wurden während der ersten elf Lebensjahre der Kinder identifiziert (minimal, moderat, chronisch-schwer). Die Psychopathologie der Kinder wurde im Alter von 15 Jahren und suizidales Verhalten im Alter von 16 Jahren erfasst. Die Daten wurden mittels Strukturgleichungsmodellierung analysiert. ERGEBNISSE: Es zeigte sich ein erhöhtes Risiko für Suizidgedanken bei Kindern von Müttern mit chronisch-schweren Depressionssymptomen im Vergleich zu Kindern von Müttern mit minimalen Symptomen (Odds Ratio = 3,04; 95 %-KI = 2,19–4,21). Dieser Zusammenhang wurde unabhängig durch Symptome einer Major Depression (MDD), einer generalisierten Angststörung (GAD) und einer Verhaltensstörung (DBD) bei den Kindern vermittelt. Dieselben Mechanismen wurden auch bei Kindern von Müttern mit moderaten Depressionssymptomen im Zeitverlauf gefunden. Die Ergebnisse für Suizidversuche bei den Kindern waren ähnlich, mit zusätzlichen Hinweisen auf einen indirekten Effekt durch ADHS-Symptome bei den Kindern. SCHLUSSFOLGERUNG: Die Ergebnisse unterstreichen, dass Maßnahmen zur Suizidprävention bei Kindern von Müttern mit Depressionen nicht nur auf Kinder mit MDD abzielen sollten; es ist auch wichtig, Kinder mit anderen Formen von Psychopathologie zu berücksichtigen.

Kategorien: Affektive Störungen, Diagnostik, Sucht

Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Diagnostik, Hyperaktivität, Depression, Angst, Alkohol, Geschlecht

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