Die Auswirkungen eines Selbstwahrnehmungstrainings (SAT) bei Erwachsenen mit ADHS

Simona Salomone, Grainne Fleming, Jacqueline Shanahan, Marco Castorina, Jessica Bramham, Redmond O'Connell, Ian Robertson (2015)

Frontiers in Human Neuroscience 9, 45

Zusammenfassung

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), eine neuropsychiatrische Erkrankung, die durch Aufmerksamkeits- und Impulsivitätsprobleme gekennzeichnet ist, zählt zu den häufigsten Verhaltensstörungen. Psychostimulanzien gelten als Standardtherapie bei ADHS, weisen jedoch insbesondere bei Erwachsenen eine begrenzte Wirksamkeit auf und sind häufig mit Nebenwirkungen verbunden. Daher ist die Entwicklung neuer, nicht-pharmakologischer Behandlungsansätze dringend erforderlich. Ziel dieser Studie ist es, die Auswirkungen eines nicht-pharmakologischen Selbstwahrnehmungstrainings (SAT) auf die ADHS-Symptomhäufigkeit, die psychische und kognitive Funktionsfähigkeit sowie auf die Beeinträchtigung im Alltag bei Erwachsenen mit ADHS zu untersuchen. Einundfünfzig erwachsene Teilnehmer mit einer aktuellen ADHS-Diagnose wurden randomisiert entweder dem SAT- oder einem Kontrolltraining (CT) zugeteilt. Die Untersuchungen erfolgten zu Studienbeginn, unmittelbar nach dem fünfwöchigen Training und nach drei Monaten mithilfe von ADHS-Symptomskalen sowie einer Reihe neuropsychologischer Tests und psychologischer Fragebögen. Zusätzlich wurden subjektive Einschätzungen der Aufmerksamkeits- und Gedächtnisprobleme im Alltag erhoben. Die SAT-Gruppe zeigte im Vergleich zur CT-Gruppe sowohl nach dem Training als auch bei der 3-Monats-Untersuchung signifikante Verbesserungen hinsichtlich der Aufmerksamkeits- und Impulsivitätssymptome, der depressiven Symptome sowie der Selbstwirksamkeitserwartung. Auch bei nicht trainierten kognitiven Aufgaben zur Messung selektiver Aufmerksamkeit und exekutiver Funktionen wurden bei den SAT-Teilnehmern Verbesserungen vor und nach dem Training beobachtet. Schließlich berichtete die SAT-Gruppe zu beiden Messzeitpunkten über eine verbesserte subjektive Einschätzung ihrer Aufmerksamkeit im Alltag. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass SAT bei der Behandlung von ADHS-Symptomen sowie psychischen und kognitiven Beeinträchtigungen bei Erwachsenen mit ADHS hilfreich sein kann. Eine groß angelegte randomisierte kontrollierte Studie (RCT) ist erforderlich.

Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Diagnostik, Medikamente

Schlagwörter: ADHS, ADHS im Erwachsenenalter, Erwachsene, Diagnostik, Stimulanzien, Exekutive Funktionen, Hyperaktivität, Impulsivität, Depression, Prävalenz, Neuropsychologie

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