Pharmako-MEG-Beweise für eine aufmerksamkeitsbezogene Hyperkonnektivität zwischen auditorischen und präfrontalen Kortexarealen bei ADHS
Elizabeth Heinrichs-Graham, John Franzen, Nichole Knott, Matthew White, Martin Wetzel, Tony Wilson (2014)
Psychiatry research 221(3), 240-245
Zusammenfassung
Die Fähigkeit, bestimmte Reize wahrzunehmen und andere auszublenden, ist für zielgerichtete Aktivitäten entscheidend und steht in Zusammenhang mit präfrontalen kortikalen Regionen, insbesondere dem dorsolateralen präfrontalen Kortex (DLPFC). Sowohl Hyper- als auch Hypoaktivierung im DLPFC wurde bei Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) während verschiedener kognitiver Aufgaben beobachtet, die Auswirkungen dieser abweichenden Aktivität auf Netzwerkebene sind jedoch weitgehend unbekannt. Mithilfe der Magnetoenzephalographie (MEG) untersuchten wir die funktionelle Konnektivität zwischen Regionen des DLPFC und den modalitätsspezifischen auditorischen Kortexarealen während einer auditiven Aufmerksamkeitsaufgabe bei medikamentös behandelten und unbehandelten Erwachsenen mit ADHS sowie bei Personen ohne ADHS. Die Teilnehmer absolvierten die Aufmerksamkeitsaufgabe in zwei separaten Sitzungen (medikamentös/unbehandelt), wobei jede Sitzung aus zwei Blöcken bestand (Aufmerksamkeit und Nicht-Aufmerksamkeit). Alle MEG-Daten wurden mit strukturellen MRT-Daten koregistriert, bewegungskorrigiert und in den Quellraum projiziert. Anschließend berechneten wir die Phasenkohärenz (d. h. die funktionelle Konnektivität) zwischen den DLPFC-Regionen und den auditorischen Kortexarealen. Wir stellten fest, dass unbehandelte Erwachsene mit ADHS im Vergleich zu den Kontrollpersonen eine höhere Phasenkohärenz im Beta- (14–30 Hz) und Gamma-Frequenzbereich (30–56 Hz) sowohl unter Aufmerksamkeits- als auch unter Nicht-Aufmerksamkeitsbedingungen aufwiesen. Die Einnahme von Stimulanzien schwächte diese Unterschiede ab, beseitigte sie aber nicht vollständig. Diese Ergebnisse legen nahe, dass eine gestörte Bottom-up-Verarbeitung exekutive Ressourcen bei ADHS beanspruchen kann.
Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Medikamente
Schlagwörter: ADHS, Erwachsene, Stimulanzien, Hyperaktivität, MRT, Geschlecht, Neuropsychologie
