Umweltbedingte Risikofaktoren nach Geschlecht im Zusammenhang mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
Desiree Silva, Lyn Colvin, Erika Hagemann, Carol Bower (2014)
PEDIATRICS 133(1), e14-22
Zusammenfassung
HINTERGRUND: Frühe Umweltfaktoren als Risikofaktoren für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) werden zunehmend diskutiert. Unsere Studie untersucht die mütterlichen, schwangerschaftsbedingten und neugeborenen Risikofaktoren nach Geschlecht bei Kindern in Westaustralien, denen Stimulanzien zur Behandlung von ADHS verschrieben wurden. METHODEN: Es handelt sich um eine bevölkerungsbasierte Fall-Kontroll-Studie mit Datenverknüpfung. Die Daten aller nicht-indigenen Kinder und Jugendlichen unter 25 Jahren, die in Westaustralien geboren wurden, die Diagnose ADHS erhielten und denen Stimulanzien verschrieben wurden (n = 12.991), wurden mit dem Hebammen-Meldesystem (MNS) verknüpft, um Informationen zu Müttern, Schwangerschaft und Geburt zu erhalten. Die Kontrollgruppe von 30.071 Kindern wurde zufällig aus dem MNS ausgewählt. ERGEBNISSE: Mütter von Kindern mit ADHS waren im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant häufiger jünger, alleinerziehend, hatten während der Schwangerschaft geraucht, die Geburt wurde eingeleitet, und es traten drohende Frühgeburten, Präeklampsie, Harnwegsinfektionen in der Schwangerschaft oder Frühgeburten auf, unabhängig vom Geschlecht des Kindes. Im vollständig adjustierten Modell zeigte sich ein neuer Befund: Die Gabe von Oxytocin während der Wehen könnte bei Mädchen einen protektiven Effekt haben. Niedriges Geburtsgewicht, Übertragung, SGA-Kinder (Small for Gestational Age), fetale Distress und niedrige Apgar-Werte wurden nicht als Risikofaktoren identifiziert. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Rauchen in der Schwangerschaft, mütterliche Harnwegsinfektionen, Geburtseinleitung und drohende Frühgeburten erhöhen das ADHS-Risiko, wobei nur geringe Geschlechtsunterschiede bestehen. Die Gabe von Oxytocin während der Wehen scheint jedoch bei Mädchen einen protektiven Effekt zu haben. Frühgeburten erhöhten das ADHS-Risiko geringfügig. Weitere Studien zur Aufklärung möglicher Mechanismen, Störfaktoren oder Moderatoren dieser Risikofaktoren sind erforderlich.
Kategorien: Diagnostik, Medikamente, Sucht
Schlagwörter: ADHS, ADHS im Erwachsenenalter, ADHS bei Kindern, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Diagnostik, Stimulanzien, Hyperaktivität, Geschlecht, Schule
