Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung und Gewalt bei Erwachsenen in der Bevölkerung Englands: Spielt Komorbidität eine Rolle?
Rafael Gonzalez, Constantinos Kallis, Jeremy Coid (2013)
PloS one 8(9), e75575
Zusammenfassung
HINTERGRUND: Es ist unklar, ob der Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Gewalt durch ADHS-Symptome oder komorbide psychische Störungen erklärt wird. Wir untersuchten Zusammenhänge zwischen ADHS und seinen Symptomdomänen Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit bei Personen in der britischen Bevölkerung, die über Gewalttaten berichteten. METHODEN: Wir berichten über Daten der Adult Psychiatric Morbidity Survey (2007), einer repräsentativen Stichprobe der englischen Bevölkerung. Eine zufällig ausgewählte Stichprobe von 7.369 Personen füllte die Adult Self-Report Scale for ADHS und das Modul zur Selbsteinschätzung von Gewalt aus, das Wiederholungen, Verletzungen, leichte Gewalttaten, Opfer und Tatorte umfasste. Alle Modelle wurden gewichtet, um fehlende Antworten zu berücksichtigen, und sorgfältig um demografische und klinische Prädiktoren für Gewalt bereinigt: antisoziale Persönlichkeitsstörung, Substanzmissbrauch und Angststörungen. ERGEBNISSE: ADHS war nach Bereinigungen mäßig mit Gewalt assoziiert (OR 1,75, p = 0,01). Hyperaktivität, nicht aber Unaufmerksamkeit, war mit mehreren Indikatoren für Gewalt im häuslichen Umfeld assoziiert (OR 1,16, p = 0,03). Leichte und mittelschwere ADHS-Symptome waren signifikant mit wiederholter Gewalt assoziiert, schweres ADHS jedoch nicht; der Zusammenhang ließ sich durch komorbide Störungen erklären. Stratifizierte Analysen zeigten zudem, dass die meisten Gewaltmeldungen mit gleichzeitig auftretenden psychischen Erkrankungen einhergehen. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Der direkte Effekt von ADHS auf Gewalt ist auf Bevölkerungsebene nur mäßig, bedingt durch Hyperaktivität und betrifft Partner und nahestehende Personen. Da Gewalt im Zusammenhang mit schwerem ADHS durch komorbide psychische Erkrankungen erklärt wird, sollten Interventionen primär auf diese komorbiden Störungen abzielen.
Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Diagnostik, Sucht
Schlagwörter: ADHS, Jugendliche, Erwachsene, Komorbidität, Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Angst, Sucht, Geschlecht
