Psychotische Störungen als Komorbidität mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung: eine wichtige Wissenslücke
Emmanuelle Levy, Alexandru Traicu, Srividya Iyer, Ashok Malla, Ridha Joober (2015)
Canadian journal of psychiatry. Revue canadienne de psychiatrie 60(3 Suppl 2), S48-52
Zusammenfassung
Psychotische Störungen (PS) und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) treten häufig gemeinsam auf. Kliniker zögern oft, ADHS bei Patienten mit Psychose zu behandeln, da sie befürchten, dass Psychostimulanzien die psychotischen Symptome verschlimmern könnten. Fortschritte in der Neurobiologie haben die vereinfachte Dichotomie in Frage gestellt, nach der PS als Störung mit hohem Dopaminspiegel (DA) gilt, die mit DA-Antagonisten behandelt wird, und ADHS als Störung mit niedrigem DA-Spiegel, die mit DA-Agonisten behandelt wird. In diesem Artikel geben wir einen Überblick über die Literatur zu komorbider ADHS und Psychose. Die Behandlung von ADHS mit Psychostimulanzien kann bei Patienten mit PS erwogen werden, deren Zustand mit Antipsychotika (AP) stabilisiert ist. Eine Nichtbehandlung von ADHS kann Folgen haben, da ADHS Patienten zu Drogenmissbrauch prädisponieren kann, was wiederum das Risiko für PS erhöht. Dennoch sind weitere systematische Studien erforderlich, da die kombinierte Anwendung von AP und Psychostimulanzien bei komorbider PS und ADHS weiterhin mit Unsicherheiten behaftet ist.
Kategorien: Medikamente, Sucht
Schlagwörter: ADHS, Komorbidität, Stimulanzien, Hyperaktivität, Sucht
