Unterschiedliche Zusammenhänge zwischen Alkoholerwartungen und Alkoholkonsum im Jugendalter in Abhängigkeit von ADHS im Kindesalter
Sarah Pedersen, Seth Harty, William Pelham, Elizabeth Gnagy, Brooke S G Molina (2014)
Journal of studies on alcohol and drugs 75(1), 145-152
Zusammenfassung
ZIELSETZUNG: Personen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) haben ein erhöhtes Risiko für alkoholbedingte Probleme. Bisherige Studien haben jedoch die Erwartungen an den Alkoholkonsum – einen viel untersuchten Risikofaktor für Alkoholkonsum – in dieser Population nicht untersucht. Die vorliegende Studie untersuchte die mittleren Unterschiede in den Erwartungen an den Alkoholkonsum von Jugendlichen mit und ohne ADHS in der Kindheit. Außerdem wurde der Zusammenhang zwischen den Erwartungen an den Alkoholkonsum und dem Alkoholkonsum ein Jahr später in Abhängigkeit vom ADHS-Status untersucht. METHODE: Im Rahmen der Pittsburgh ADHD Longitudinal Study berichteten 286 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren (ADHS: n = 165; keine ADHS: n = 121) über ihre Erwartungen an den Alkoholkonsum und ihren Alkoholkonsum über einen Zeitraum von einem Jahr. ERGEBNISSE: Personen mit ADHS in der Vorgeschichte wiesen im Vergleich zu Personen ohne ADHS niedrigere mittlere Werte in Bezug auf den Alkoholkonsum auf. Konkret berichteten Personen mit ADHS zum ersten Messzeitpunkt (T1) über geringere Geselligkeit, kognitive und Verhaltensbeeinträchtigungen sowie niedrigere Erwartungen hinsichtlich des Alkoholkonsums als Personen ohne ADHS. Darüber hinaus unterschied sich der Zusammenhang zwischen negativen Alkoholerwartungen zum ersten Messzeitpunkt (T1) und dem Alkoholkonsum zum zweiten Messzeitpunkt (T2) bei Personen mit und ohne ADHS-Vorgeschichte. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Personen mit ADHS-Vorgeschichte bei Entscheidungen zum Alkoholkonsum möglicherweise weniger auf explizite Kognitionen, wie z. B. Alkoholerwartungen, zurückgreifen. Dies steht im Einklang mit dem Zwei-Prozess-Modell der Alkoholkognitionen, das postuliert, dass Personen mit eingeschränkter exekutiver Kontrolle sich stärker auf implizite Kognitionen über Alkohol stützen.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Sucht
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Hyperaktivität, Alkohol, Geschlecht
