Hypokonnektivität des Aufmerksamkeitsnetzwerks bei gleichzeitiger Hyperkonnektivität des Standard- und affektiven Netzwerks bei Erwachsenen mit im Kindesalter diagnostizierter Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Hazel McCarthy, Norbert Skokauskas, Aisling Mulligan, Gary Donohoe, Diane Mullins, John Kelly, Katherine Johnson, Andrew Fagan, Michael Gill, James Meaney, Thomas Frodl (2013)

JAMA Psychiatry 70(12), 1329-1337

Zusammenfassung

Bedeutung: Die neurobiologischen Grundlagen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und insbesondere jene, die mit dem Fortbestehen der ADHS im Erwachsenenalter zusammenhängen, sind noch nicht vollständig verstanden. Die Korrelationsmuster spontaner neuronaler Fluktuationen im Ruhezustand werden als funktionelle Konnektivität im Ruhezustand (Ruhezustands-Funktionskonnektivität, RSFC) bezeichnet und könnten ADHS-spezifische Konnektivitätsveränderungen charakterisieren. Ziel: Bestimmung der spezifischen Lokalisation möglicher ADHS-bedingter Unterschiede in der RSFC zwischen Erwachsenen mit einer ADHS-Diagnose im Kindesalter und einer Kontrollgruppe. Studiendesign: Mittels funktioneller Magnetresonanztomographie im Ruhezustand berechneten und verglichen wir die funktionelle Konnektivität von Aufmerksamkeits-, Affekt-, Default- und kognitiven Kontrollnetzwerken, die an der Psychopathologie der ADHS beteiligt sind, zwischen der ADHS- und der Kontrollgruppe. Studienort: Psychiatrische Klinik und Forschungszentrum für Magnetresonanztomographie einer Universität. TEILNEHMER: Sechzehn drogenfreie Erwachsene (5 Frauen und 11 Männer; Durchschnittsalter 24,5 Jahre) mit in der Kindheit diagnostizierter ADHS vom kombinierten Typ und 16 gesunde Kontrollpersonen, die hinsichtlich Alter (Durchschnittsalter 24,4 Jahre), Geschlecht, Händigkeit und Bildungsniveau aus der Allgemeinbevölkerung übereinstimmten. INTERVENTION: Funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT). HAUPTZIELGRÖSSEN UND MESSGRÖSSEN: Konnektivitätsdaten ventraler und dorsaler Aufmerksamkeits-, affektiver, Default-Mode- und kognitiver Kontrollnetzwerke sowie ADHS-Symptome, erfasst mithilfe ADHS-spezifischer Beurteilungsinstrumente. ERGEBNISSE: Erwachsene mit ADHS zeigten im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen eine signifikant verringerte funktionelle Konnektivität im Ruhezustand (RSFC) innerhalb der Aufmerksamkeitsnetzwerke und eine erhöhte RSFC innerhalb der affektiven und Default-Mode-Netzwerke sowie des rechtslateralisierten kognitiven Kontrollnetzwerks (p < 0,01, Korrektur für den Fehler erster Art für Cluster-Daten des gesamten Gehirns). Eine geringere RSFC im ventralen und dorsalen Aufmerksamkeitsnetzwerk korrelierte signifikant mit einem höheren Schweregrad der ADHS-Symptome (p < 0,001). SCHLUSSFOLGERUNGEN UND RELEVANZ: Diese RSFC-Befunde könnten eine biologische Grundlage für ADHS im Erwachsenenalter liefern und stehen in funktionalem Zusammenhang mit anhaltender Unaufmerksamkeit, Störungen der kognitiven Kontrolle und emotionaler Dysregulation bei Erwachsenen mit ADHS. Diese Befunde müssen im Kontext aller Aspekte der Hirnfunktion bei ADHS interpretiert werden.

Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, ADHS bei Kindern, Diagnostik

Schlagwörter: ADHS, ADHS im Erwachsenenalter, Kinder, Erwachsene, Diagnostik, Exekutive Funktionen, Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, MRT, Geschlecht, Emotionen, Neuropsychologie

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