Eine potenzielle elektroenzephalographische und kognitive Biosignatur für das Dysregulationsprofil der Checkliste für kindliches Verhalten
James McGough, James McCracken, Alexander Cho, Edward Castelo, Alexandra Sturm, Jennifer Cowen, John Piacentini, Sandra Loo (2013)
Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry 52(11), 1173-1182
Zusammenfassung
ZIEL: Die Child Behavior Checklist-Dysregulation Profile (CBCL/DP) identifiziert Kinder und Jugendliche mit einem erhöhten Risiko für schwere psychische Störungen. Obwohl die genetische Architektur und verschiedene biologische Korrelate der CBCL/DP beschrieben wurden, ist die zugrundeliegende Neurobiologie bisher wenig erforscht. Wir untersuchten den potenziellen Nutzen der Elektroenzephalographie (EEG) in Kombination mit Verhaltens- und kognitiven Tests zur Differenzierung von Personen anhand der CBCL/DP. METHODE: Teilnehmer im Alter von 7 bis 14 Jahren wurden anhand klinischer Beurteilungen und der CBCL/DP in drei alters- und geschlechtsangepasste Gruppen eingeteilt: eine Kontrollgruppe ohne Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) (n = 38), Personen mit ADHS ohne CBCL/DP (ADHS/DP-) (n = 38) und Personen mit CBCL/DP (CBCL/DP+) (n = 38). Die Gruppen wurden mittels EEG sowie Messungen der klinischen Phänomenologie und Kognition verglichen. ERGEBNISSE: Sowohl die ADHS/DP- als auch die CBCL/DP+-Gruppe zeigten eine erhöhte Unaufmerksamkeit. Die CBCL/DP+-Gruppe wies jedoch im Vergleich zur Gruppe mit alleiniger ADHS verstärkte hyperaktive/impulsive Symptome, Verhaltensauffälligkeiten, Stimmungsschwankungen und Angststörungen auf. Kognitive Profile deuteten darauf hin, dass die ADHS/DP-Teilnehmer schnelle, impulsive Reaktionen zeigten, während die CBCL/DP+-Teilnehmer langsam und unaufmerksam waren. Im EEG zeigte die CBCL/DP+-Gruppe im Vergleich zu ADHS/DP- und der Kontrollgruppe ein charakteristisches Profil mit abgeschwächter δ-Band- und erhöhter α-Band-Spektralleistung in den zentralen und parietalen Regionen. Dieses Profil mit niedriger δ- und hoher α-Band-Leistung korrelierte mit Messwerten für emotionale und Verhaltensprobleme, jedoch nicht mit der Unaufmerksamkeitssymptomatik oder kognitiven Messwerten. Zwischen der ADHS/DP- und der Kontrollgruppe bestanden keine EEG-Unterschiede. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Ein EEG-/kognitives Profil deutet auf ein charakteristisches Muster zugrundeliegender neuronaler Dysfunktion bei CBCL/DP hin, das möglicherweise als Biosignatur dienen könnte. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um mögliche Zusammenhänge mit klinisch definierten psychiatrischen Störungen, insbesondere solchen mit Stimmungsschwankungen, zu identifizieren.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Affektive Störungen, Diagnostik
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Diagnostik, Komorbidität, Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität, Angst, Genetik, EEG, Geschlecht, Emotionen, Neuropsychologie
