Die Rolle perinataler langkettiger Omega-3-Fettsäuren bei der Reifung kortikaler Schaltkreise: Mechanismen und Implikationen für die Psychopathologie
Robert McNamara, Jennifer Vannest, Christina Valentine (2015)
World journal of psychiatry 5(1), 15-34
Zusammenfassung
Zunehmende translationale Evidenz deutet darauf hin, dass die langkettige Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) eine Rolle bei der Reifung und Stabilität kortikaler Schaltkreise spielt, die bei verschiedenen rezidivierenden psychiatrischen Erkrankungen beeinträchtigt sind. Insbesondere Studien an Nagetieren und Zellkulturen zeigen, dass sich DHA bevorzugt in synaptischen Membranen und Wachstumskegelmembranen anreichert und das Neuritenwachstum, die Stabilität dendritischer Dornen und die Synaptogenese fördert. Weitere Erkenntnisse legen nahe, dass DHA an der Mikroglia-vermittelten synaptischen Reduktion sowie an der Myelinentwicklung und -resilienz beteiligt sein könnte. Bei nicht-humanen Primaten führt ein Mangel an n-3-Fettsäuren während der perinatalen Entwicklung zu weit verbreiteten Defiziten in der funktionellen Konnektivität adulter frontaler kortikaler Netzwerke im Vergleich zu Primaten, die mit DHA-angereicherter Nahrung aufgezogen wurden. Frühgeburtlichkeit bei nicht-humanen Primaten und Menschen ist mit einem frühen Defizit der kortikalen DHA-Anreicherung verbunden. Frühgeburtlichkeit beim Menschen ist mit langfristigen Defiziten in der Myelinscheide und der Konnektivität kortikaler Schaltkreise sowie einem erhöhten Risiko für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), affektive Störungen und psychotische Störungen verbunden. ADHS sowie affektive und psychotische Störungen treten in der Regel während Phasen rascher Reifung kortikaler Schaltkreise auf und sind durch DHA-Mangel, Myelinpathologie und beeinträchtigte Konnektivität kortikaler Schaltkreise gekennzeichnet. Diese Zusammenhänge legen nahe, dass frühe und unkorrigierte Defizite in der DHA-Anreicherung im fetalen Gehirn einen modifizierbaren Risikofaktor für Reifungsstörungen kortikaler Schaltkreise bei psychiatrischen Erkrankungen darstellen könnten und daher wichtige Implikationen für die Entwicklung von Strategien zur Früherkennung und Prävention haben könnten.
Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Affektive Störungen, Therapie
Schlagwörter: ADHS, Erwachsene, Hyperaktivität
