Lebenserwartung und verlorene Lebensjahre bei Erwachsenen mit diagnostizierter ADHS im Vereinigten Königreich: gematchte Kohortenstudie
Elizabeth O'Nions, Céline El Baou, Amber John, Dan Lewer, Will Mandy, Douglas G. J. McKechnie, Irene Petersen & Josh Stott (2025)
The British Journal of Psychiatry 226(5), 261-268
Zusammenfassung
Hintergrund: Fast 3 % der Erwachsenen haben ADHS, im Vereinigten Königreich sind die meisten jedoch nicht diagnostiziert. Erwachsene mit ADHS zeigen im Mittel schlechtere Bildungs-, Arbeits- und Gesundheitsresultate und sterben häufiger vorzeitig. Ziel war die Berechnung des Lebenserwartungsdefizits anhand von Primärversorgungsdaten. Methode: In einer gematchten Kohortenstudie mit Daten aus 792 Hausarztpraxen wurden 30.039 Erwachsene mit diagnostizierter ADHS und 300.390 nach Alter, Geschlecht und Praxis gematchte Vergleichspersonen identifiziert. Altersspezifische Mortalitätsraten und Lebenstabellen wurden berechnet. Ergebnisse: Etwa 0,32 % der Erwachsenen hatten eine ADHS-Diagnose, schätzungsweise nur jeder neunte tatsächlich Betroffene. Körperliche und psychische Erkrankungen waren häufiger als in der Vergleichsgruppe. Das rechnerische Lebenserwartungsdefizit betrug bei Männern 6,78 Jahre und bei Frauen 8,64 Jahre. Schlussfolgerungen: Erwachsene mit diagnostizierter ADHS leben kürzer als zu erwarten. Wahrscheinliche Ursachen sind veränderbare Risikofaktoren und ungedeckte Unterstützungs- und Behandlungsbedarfe bei ADHS und Begleiterkrankungen. Da nur diagnostizierte Personen untersucht wurden, sind die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf alle Erwachsenen mit ADHS übertragbar.
Kategorien: ADHS Allgemein, ADHS bei Erwachsenen
Schlagwörter: ADHS im Erwachsenenalter, Erwachsene, Epidemiologie, Komorbidität, Risikofaktoren, Lebensqualität
