Beeinflusst der Intelligenzquotient den Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomen und anderen kognitiven Funktionen bei jungen Vorschulkindern?
Nina Rohrer-Baumgartner, Pal Zeiner, Jens Egeland, Kristin Gustavson, Annette Skogan, Ted Reichborn-Kjennerud, Heidi Aase (2014)
Behavioral and brain functions : BBF 10, 16
Zusammenfassung
HINTERGRUND: Arbeitsgedächtnis, Inhibition und expressive Sprache sind bei ADHS häufig beeinträchtigt, und viele Kinder mit ADHS weisen niedrigere IQ-Werte auf als typisch entwickelte Kinder. Ziel dieser Studie war es, in einer nicht-klinischen Stichprobe von Vorschulkindern zu untersuchen, ob der IQ-Wert die Zusammenhänge zwischen ADHS-Symptomen und verbalem sowie nonverbalem Arbeitsgedächtnis, Inhibition und expressiver Sprache beeinflusst. METHODEN: Insgesamt wurden 1181 Kinder aus der norwegischen Mutter-Kind-Kohortenstudie im Alter von 36 bis 46 Monaten klinisch untersucht. IQ-Wert und Arbeitsgedächtnis wurden mithilfe von Unteraufgaben der Stanford-Binet-Testbatterie erfasst, die expressive Sprache wurde von Erzieherinnen und Erziehern (Child Development Inventory) beurteilt, die Reaktionshemmung mit einer Unteraufgabe des NEPSY-Tests und die ADHS-Symptome durch ein Elterninterview (Preschool Age Psychiatric Assessment). ERGEBNISSE: Die Ergebnisse zeigten eine Interaktion zwischen ADHS-Symptomen und IQ-Wert hinsichtlich der von den Erzieherinnen und Erziehern beurteilten expressiven Sprache. Bei Kindern mit einem IQ-Wert unter dem Median ging eine größere Anzahl von ADHS-Symptomen häufiger mit Berichten über geringere expressive Sprachfähigkeiten einher, während der Einfluss der ADHS-Symptome auf die berichteten Sprachfähigkeiten bei Kindern mit einem IQ-Wert über dem Median geringer war. Die Zusammenhänge zwischen ADHS-Symptomen und Arbeitsgedächtnis bzw. Reaktionshemmung wurden nicht vom IQ-Wert beeinflusst. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Der IQ-Wert beeinflusste den Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomen und der von Lehrkräften berichteten expressiven Sprache, wohingegen die Zusammenhänge zwischen ADHS-Symptomen und Arbeitsgedächtnis bzw. Reaktionshemmung unabhängig vom IQ-Wert signifikant und von ähnlicher Stärke waren. Daher sollten bei Vorschulkindern Arbeitsgedächtnis und Reaktionshemmung unabhängig vom IQ-Wert in die ADHS-Diagnostik einbezogen werden, während die Sprachfähigkeiten junger Kinder besonders bei durchschnittlichen oder niedrigen IQ-Werten von Bedeutung sind.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik
Schlagwörter: ADHS, ADHS bei Kindern, Kinder, Diagnostik, Arbeitsgedächtnis, Hyperaktivität, Geschlecht, Schule, Neuropsychologie
