Eine longitudinale Zwillingsstudie zur Wirkungsrichtung zwischen ADHS-Symptomen und IQ

Anna Rommel, Fruhling Rijsdijk, Corina Greven, Philip Asherson, Jonna Kuntsi (2015)

PloS one 10(4), e0124357

Zusammenfassung

Obwohl der negative Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomen und Intelligenzquotient (IQ) gut belegt ist, ist unser Wissen über Richtung und Ursachen dieses Zusammenhangs begrenzt. In dieser Studie untersuchen wir den Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomen und verbalem sowie handlungsbezogenem IQ longitudinal in einer bevölkerungsbasierten Zwillingsstichprobe. In einer bevölkerungsbasierten Stichprobe von 4.771 Zwillingspaaren wurden die ADHS-Symptome nach DSM-IV mithilfe der Conners' Parent Rating Scale-Revised (CERS-R) erhoben. Der verbale (Wortschatz) und handlungsbezogene (Raven's Progressive Matrices) IQ wurden online erfasst. Die ADHS-Symptomwerte und die IQ-Werte wurden im Alter von 12, 14 und 16 Jahren erhoben. Unter Ausnutzung der genetischen Sensitivität und der zeitlichen Abfolge unserer Daten verwenden wir ein Cross-Lagged-Panel-Modell, um die Wirkungsrichtung zu untersuchen und gleichzeitig die Ursachen des Zusammenhangs zwischen ADHS-Symptomen und den Ergebnissen der Raven's Progressive Matrices im Zeitverlauf zu modellieren. Obwohl sich für jedes Merkmal im Alter von 14 und 16 Jahren zeitabhängige ätiologische Einflüsse zeigten, blieben die ätiologischen Faktoren, die den Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomen und IQ erklären, über die Zeit stabil. ADHS-Symptome und IQ-Werte sagten sich im Zeitverlauf signifikant gegenseitig vorher. ADHS-Symptome im Alter von 12 Jahren waren ein deutlich stärkerer Prädiktor für den Wortschatz und die Raven-Test-Ergebnisse im Alter von 14 Jahren als umgekehrt. Zwischen dem 14. und 16. Lebensjahr zeigten sich keine unterschiedlichen prädiktiven Effekte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ADHS-Symptome Jugendliche einem Risiko für niedrigere IQ-Werte aussetzen können. Anhaltende genetische Einflüsse scheinen dem Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomen und IQ im Zeitverlauf zugrunde zu liegen. Eine frühzeitige Intervention dürfte entscheidend sein, um ADHS-Symptome und das damit verbundene Risiko für einen niedrigeren IQ zu reduzieren.

Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik, Therapie

Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Diagnostik, Hyperaktivität, Genetik, Geschlecht

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