Screening auf ADHS im Erwachsenenalter mit Kurzfragebögen: Was folgt aus einem positiven Ergebnis? Einige Einschränkungen

Samuel R. Chamberlain, Samuele Cortese, Jon E. Grant (2021)

Comprehensive Psychiatry 106, 152224

Zusammenfassung

ADHS im Erwachsenenalter ist häufig, wird aber oft übersehen und unzureichend behandelt. Unbehandelt ist sie mit erhöhten Risiken verbunden, darunter Arbeitslosigkeit, Beziehungsabbrüche, Substanzkonsum, Verkehrsunfälle und weitere psychische Erkrankungen. Für das Screening stehen mehrere Kurzinstrumente zur Verfügung, am häufigsten genutzt wird die Adult ADHD Self-Report Scale der WHO (ASRS v1.1). Die Autoren zeigen an zwei unabhängigen Bevölkerungsstichproben (Großbritannien: N = 642, USA: N = 579), dass das Instrument die ADHS-Häufigkeit erheblich überschätzt: 26,0 % beziehungsweise 17,3 % der Teilnehmenden wurden als wahrscheinliche ADHS-Fälle eingeordnet, gegenüber einer erwarteten Prävalenz von 2,5 %. Der geschätzte positive prädiktive Wert lag bei nur etwa 11,5 %. Beide Stichproben wiesen in der Barratt Impulsiveness Scale normale Impulsivitätswerte auf. Die ASRS führt in Bevölkerungsstichproben also zu einer 7- bis 10-fachen Überidentifikation. Wird sie zur Fallfindung eingesetzt, etwa für die Weiterleitung an eine ADHS-Spezialambulanz, muss eine klinische Beurteilung hinzukommen. Bei dimensionaler Messung ist zu bedenken, dass die ASRS auch Impulsivität erfasst, die nicht auf ADHS zurückgeht; entsprechend sollte zugleich auf Impulskontrollstörungen wie Spielsucht gescreent werden.

Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Diagnostik

Schlagwörter: ADHS im Erwachsenenalter, Diagnostik, Psychologische Tests, Validität, Prävalenz, Impulsivität

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