Integration eines EEG-Biomarkers in die klinische ADHS-Diagnostik

Steven Snyder, Thomas Rugino, Mady Hornig, Mark Stein (2015)

Brain and behavior 5(4), e00330

Zusammenfassung

HINTERGRUND: Diese Studie evaluiert erstmals ein Diagnoseinstrument für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gemäß den Evidenzstandards der Klasse I der American Academy of Neurology und den De-Novo-Anforderungen der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA. Das Diagnoseinstrument integriert den elektroenzephalografischen (EEG-)Biomarker Theta/Beta-Verhältnis (TBR) in die klinische ADHS-Diagnostik. Diese Integration soll die Sicherheit hinsichtlich Kriterium E erhöhen (d. h., ob die Symptome besser durch eine andere Erkrankung erklärt werden können). METHODEN: Zur Evaluation des Diagnoseinstruments führten die Forschenden eine prospektive, dreifach verblindete klinische Kohortenstudie an 13 Standorten durch. Umfassende klinische Daten wurden von 275 Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeits- und Verhaltensauffälligkeiten erhoben. An jedem Standort führte eine qualifizierte klinische Fachkraft die Differenzialdiagnose durch. Die EEG-Aufzeichnungen wurden von separaten Teams durchgeführt. Als Referenzstandard diente die Konsensdiagnose eines unabhängigen, multidisziplinären Teams (Psychiater, Psychologe und Kinderarzt mit Schwerpunkt Neuroentwicklung), die sich gut zur Beurteilung von Kriterium E in einer komplexen klinischen Population eignet. ERGEBNISSE: Von 209 Patienten, die laut Einschätzung eines Klinikers vor Ort die ADHS-Kriterien erfüllten, wurde bei 93 Patienten separat vom multidisziplinären Team festgestellt, dass sie Kriterium E mit geringerer Wahrscheinlichkeit erfüllten. Dies deutet auf eine mögliche Überdiagnose durch Kliniker in 34 % der gesamten klinischen Stichprobe (93/275) hin. Von diesen 93 Patienten wurden 91 % auch mittels EEG identifiziert, was auf eine relativ niedrige TBR (85/93) hindeutet. Darüber hinaus stimmte die Integrationsmethode in 97 % der Fälle (35/36) mit der Diagnose des multidisziplinären Teams überein. Die TBR zeigte eine statistische Aussagekraft, die spezifisch für die Bestätigung der Sicherheit von Kriterium E durch das multidisziplinäre Team war (Cohens d = 1,53). Patienten mit relativ niedrigerem TBR wiesen häufiger andere Erkrankungen auf, die die Sicherheit des Kriteriums E beeinflussen könnten (10 signifikante Ergebnisse; p ≤ 0,05). Die Integration dieser Information in die klinische ADHS-Diagnostik könnte die diagnostische Genauigkeit von 61 % auf 88 % verbessern. SCHLUSSFOLGERUNG: Das EEG-basierte Beurteilungsinstrument kann die Genauigkeit der ADHS-Diagnose durch eine höhere Sicherheit des Kriteriums E verbessern.

Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik

Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Diagnostik, Komorbidität, Hyperaktivität, EEG, Geschlecht, Schule

This publication in English

Nach oben scrollen