Interaktiver Zusammenhang zwischen dem Genotyp des Dopaminrezeptors (DRD4) und ADHS in Bezug auf die Alkoholerwartungen bei Kindern
Steve Lee, Kathryn Humphreys (2014)
Experimental and Clinical Psychopharmacology 22(2), 100-109
Zusammenfassung
Positive und negative Alkoholerwartungen (AE) sind Überzeugungen über die Folgen des Alkoholkonsums (z. B. Freude, Traurigkeit, Trägheit) und sagen das Alkoholkonsumverhalten von Jugendlichen und Erwachsenen in klinischen und nicht-klinischen Stichproben voraus. Über Prädiktoren von AE bei Kindern ist jedoch deutlich weniger bekannt, obwohl AE früh in der Entwicklung und im weiteren Verlauf stark variieren. Um zeitlich geordnete Risikofaktoren zu identifizieren, die AE vorausgehen, untersuchten wir den unabhängigen und interaktiven Zusammenhang zwischen dem funktionellen 7-Repeat-Polymorphismus des Dopamin-D4-Rezeptors (DRD4)-Genotyp und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) hinsichtlich individueller Unterschiede in positiv-sozialen, negativ-erregenden, sedierten/beeinträchtigten und wilden/verrückten AE bei Schulkindern (N = 149), die prospektiv im Alter von 6–9 bis 8–13 Jahren begleitet wurden. Nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Erhebungszeitpunkt berichteten DRD4-7+-Träger häufiger über wildes/unberechenbares Alkoholverhalten. DRD4 stand jedoch in keinem Zusammenhang mit den übrigen Bereichen des Alkoholverhaltens. ADHS-Symptome sagten unabhängig voneinander höhere Werte für negative Erregung, Sedierung/Beeinträchtigung und wildes/unberechenbares Alkoholverhalten voraus, nicht aber für positive soziale Aspekte. Wir beobachteten zudem eine signifikante Interaktion: ADHS-Symptome sagten wildes/unberechenbares Alkoholverhalten nur bei Jugendlichen mit dem DRD4-Genotyp mit 7 Wiederholungen positiv voraus; dieselbe Interaktion sagte sedierte/beeinträchtigte Alkoholverhalten tendenziell voraus. Für die übrigen Bereiche des Alkoholverhaltens wurden keine Interaktionseffekte beobachtet. Diese vorläufigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass frühe ADHS-Symptome bei Jugendlichen mit DRD4 vorhersagen, dass sie von Alkohol wilde/unberechenbare Wirkungen erwarten. Wir betrachten diese Ergebnisse im Kontext der Entwicklungspsychologie, um die Ursachen und Folgen von Alkoholproblemen bei Jugendlichen besser zu verstehen.
Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, ADHS bei Kindern, Sucht
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Hyperaktivität, Alkohol, Geschlecht, Schule
