Probabilistisches Belohnungslernen bei Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung – Eine elektrophysiologische Studie
Patrizia Thoma, Marc-Andreas Edel, Boris Suchan, Christian Bellebaum (2015)
Psychiatry research 225(1-2), 133-144
Zusammenfassung
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wird mit einer veränderten Verstärkungssensitivität in Verbindung gebracht. Ziel der vorliegenden Studie war die Untersuchung von Veränderungen der elektrophysiologischen Korrelate der Verarbeitung monetärer Belohnungen bei erwachsenen Patienten mit ADHS vom kombinierten Subtyp. Vierzehn Erwachsene mit ADHS vom kombinierten Subtyp und 14 gesunde Kontrollpersonen bearbeiteten eine aktive und eine beobachtende, probabilistische, belohnungsbasierte Lernaufgabe, während gleichzeitig ein Elektroenzephalogramm (EEG) aufgezeichnet wurde. Unabhängig von der Valenz des Feedbacks zeigte sich bei den ADHS-Patienten im Vergleich zu den Kontrollpersonen eine generelle Erhöhung der feedbackbezogenen Negativität (FRN) in Kombination mit einer reduzierten Lernleistung sowohl beim aktiven als auch beim beobachtenden Belohnungslernen. Andere feedbackbezogene Potenziale wie P200 und P300 sowie reaktionsbezogene Potenziale waren bei den Patienten unverändert. Es zeigten sich keine signifikanten Korrelationen zwischen Lernleistung, FRN-Amplituden und klinischen Symptomen, weder in der Gesamtgruppe noch bei getrennter Betrachtung der Patienten oder Kontrollpersonen. Dieses Befundmuster könnte auf eine generell beeinträchtigte Belohnungsvorhersage bei Erwachsenen mit ADHS vom kombinierten Subtyp hindeuten. Wir haben zum ersten Mal gezeigt, dass Patienten mit ADHS vom kombinierten Subtyp nicht nur Defizite im aktiven Belohnungslernen aufweisen, sondern auch beim Lernen durch Beobachtung der Ergebnisse anderer Menschen beeinträchtigt sind.
Kategorien: ADHS bei Erwachsenen
Schlagwörter: ADHS, Erwachsene, Hyperaktivität, EEG, Geschlecht
