Diagnostische Profile und klinische Merkmale von Jugendlichen, die an eine Klinik für pädiatrische Stimmungsstörungen überwiesen wurden.

Marc Weintraub, Eric Youngstrom, Sarah Marvin, Jennifer Podell, Patricia Walshaw, Eunice Kim, Robert Suddath, Marcy Forgey-Borlick, Brittany Matkevich, David Miklowitz (2014)

Journal of psychiatric practice 20(2), 154-162

Zusammenfassung

ZIELE: Diese Studie untersuchte die diagnostischen Profile und klinischen Merkmale von Jugendlichen (6–18 Jahre), die zur diagnostischen Abklärung an eine auf früh einsetzende bipolare Störung spezialisierte pädiatrische Klinik für affektive Störungen überwiesen wurden. METHODE: Insgesamt wurden 250 Jugendliche in einem telefonischen Vorgespräch vorselektiert, 73 nahmen an einer umfassenden diagnostischen Abklärung teil. Geschulte Psychologen führten die „Schedule for Affective Disorders and Schizophrenia for School-Age Children – Present and Lifetime Version“ (K-SADSPL) mit dem Kind und mindestens einem Elternteil durch. Ein Kinder- und Jugendpsychiater führte eine separate pharmakologische Untersuchung durch. Anschließend trafen sich die Gutachter mit einem größeren klinischen Team zu einer Konsensuskonferenz. ERGEBNISSE: Basierend auf den Konsensusdiagnosen erfüllten 13 der 73 überwiesenen Jugendlichen (18 %) die DSM-IV-TR-Kriterien für eine bipolare Spektrumstörung (Bipolar-Spektrum-Störung; bipolare Störung I, II oder nicht näher spezifizierte Störung oder zyklothyme Störung). Von diesen 73 Kindern wurden 27 (37 %) mit einer ambulanten Diagnose einer bipolaren Spektrumstörung überwiesen, jedoch erfüllten nur 7 dieser 27 (26 %) die DSM-IV-TR-Kriterien für eine bipolare Spektrumstörung basierend auf einem strukturierten Interview und Konsensusdiagnosen. Die häufigsten Achse-I-Diagnosen (basierend auf strukturiertem Interview/Konsens) waren Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) (31/73, 42,5 %) und schwere depressive Störung (23/73, 32 %). SCHLUSSFOLGERUNGEN: Wenn Jugendliche, die zur Abklärung einer bipolaren Spektrumstörung überwiesen werden, mithilfe standardisierter Interviews mit mehreren Berichterstattern und Konsensuskonferenzen diagnostiziert werden, ist die Rate korrekter Diagnosen für bipolare Spektrumstörungen relativ niedrig. Gründe für die Diskrepanz zwischen ambulanten und forschungsbasierten Diagnosen von pädiatrischen bipolaren Spektrumstörungen – einschließlich der Tendenz, die Kriterien für bipolare Spektrumstörungen so weit zu fassen, dass auch Kinder mit depressiven Episoden und nur 1–2 manischen Symptomen eingeschlossen werden – werden diskutiert.

Kategorien: ADHS bei Kindern, Affektive Störungen, Diagnostik

Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Diagnostik, Hyperaktivität, Depression, Geschlecht, Schule

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