Komorbide psychiatrische Störungen bei inhaftierten ADHS-Patienten: eine Metaanalyse

S. Young, O. Sedgwick, M. Fridman, G. Gudjonsson, P. Hodgkins, M. Lantigua, R. Gonzalez (2015)

Psychological medicine 45(12), 1-12

Zusammenfassung

HINTERGRUND: Psychische Störungen sind unter Gefängnisinsassen weit verbreitet, und aktuelle Studien bestätigen eine überproportionale Häufigkeit von Jugendlichen und Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Das Risiko für psychiatrische Komorbidität könnte bei Straftätern mit ADHS erhöht sein. Wir führten eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse der berichteten Häufigkeit von komorbiden psychiatrischen Störungen bei ADHS in Gefängnisstichproben durch. METHODE: Studien, die zwischen 1980 und 2015 veröffentlicht wurden, wurden mithilfe von fünf bibliografischen Indizes, Übersichtsarbeiten und Referenzlisten identifiziert. Die eingeschlossenen Studien enthielten eine definierte ADHS-Gruppe und lieferten zusätzliche Prävalenzdaten für mindestens eine der folgenden Störungen: Störung des Sozialverhaltens, Substanzkonsumstörung, affektive Störung, Angststörung oder Persönlichkeitsstörung. Wir führten Metaanalysen zur Prävalenz jeder komorbiden Störung innerhalb von ADHS durch und schätzten das Risiko für komorbide Störungen bei Gefangenen mit ADHS durch Pooling von Odds Ratios (OR) mit 95%-Konfidenzintervallen. ERGEBNISSE: Achtzehn Studien mit Daten von 1615 Personen mit ADHS und 3128 Personen ohne ADHS wurden eingeschlossen. Das Risiko (OR) für jegliche psychiatrische Erkrankung ist bei erwachsenen Gefängnisinsassen mit ADHS erhöht. Bei Jugendlichen mit ADHS beschränkten sich die Zusammenhänge auf affektive Störungen (OR 1,89, 95%-Konfidenzintervall 1,09–3,28). SCHLUSSFOLGERUNGEN: Diese Studie quantifiziert das Ausmaß der Komorbidität bei Straftätern mit ADHS, insbesondere bei Erwachsenen. Die Unterschiede zwischen den Risikoschätzungen für Jugendliche und Erwachsene deuten auf einen zunehmenden Effekt hinsichtlich Häufigkeit und Schweregrad für die Entwicklung weiterer komorbider Erkrankungen bis ins Erwachsenenalter hin. Die Ergebnisse haben Implikationen für klinische Interventionen und die Strafrechtspolitik.

Kategorien: Diagnostik, Störung des Sozialverhaltens, Sucht

Schlagwörter: ADHS, ADHS im Erwachsenenalter, Jugendliche, Erwachsene, Diagnostik, Komorbidität, Hyperaktivität, Angst, Störung des Sozialverhaltens, Sucht, Prävalenz, Metaanalyse, Geschlecht

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