Genomweite Analyse der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung in Norwegen

Tetyana Zayats, Lavinia Athanasiu, Ida Sonderby, Srdjan Djurovic, Lars Westlye, Christian Tamnes, Tormod Fladby, Heidi Aase, Pal Zeiner, Ted Reichborn-Kjennerud, Per Knappskog, Gun Knudsen, Ole Andreassen, Stefan Johansson, Jan Haavik (2015)

PloS one 10(4), e0122501

Zusammenfassung

HINTERGRUND: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine stark erbliche neuropsychiatrische Erkrankung. Die Identifizierung der zugrundeliegenden Gene gestaltete sich jedoch bisher schwierig. Ziel dieser Studie war es, die Genetik von ADHS in einer ethnisch homogenen norwegischen Population mittels einer genomweiten Assoziationsanalyse (GWAS) und anschließender Untersuchung von Kandidatenloci zu erforschen. MATERIAL UND METHODEN: Die Studienteilnehmer wurden über norwegische medizinische und Geburtenregister sowie die Allgemeinbevölkerung rekrutiert. Das Vorliegen von ADHS wurde gemäß den DSM-IV-Kriterien definiert. Die Genotypisierung erfolgte mittels Illumina Human OmniExpress-12v1-Mikroarrays. Die statistischen Analysen wurden in mehrere Schritte unterteilt: (1) genomweite Assoziationsanalyse (GWAS) mittels logistischer Regression in PLINK und anschließende Pathway-Analysen mit den Softwareprogrammen DAPPLE und INRICH, (2) Berechnung der SNP-Heritabilität mithilfe des GCTA-Tools (Genome-wide Complex Trait Analysis), (3) genbasierte Assoziationstests mit der JAG-Software und (4) Evaluierung zuvor berichteter genomweiter Signale und Kandidatengene für ADHS. ERGEBNISSE: Insgesamt wurden 1.358 Individuen (478 Fälle und 880 Kontrollen) und 598.384 autosomale SNPs einer GWAS unterzogen. Kein einzelner Polymorphismus erreichte genomweite Signifikanz. Das stärkste Signal wurde bei rs9949006 im Gen ENSG00000263745 beobachtet (OR = 1,51, 95 %-KI 1,28–1,79, p = 1,38 × 10⁻⁶). Pathway-Analysen der wichtigsten SNPs identifizierten Gene, die an der Regulation der Genexpression, der Zelladhäsion und der Entzündung beteiligt sind. Unter den bereits bekannten Kandidatengenen für ADHS zeigten sich starke Assoziationssignale für SLC9A9 (rs1393072, OR = 1,46, 95 %-KI = 1,21–1,77, p = 9,95E-05) und TPH2 (rs17110690, OR = 1,38, 95 %-KI = 1,14–1,66, p = 8,31E-04). FAZIT: Diese Studie bestätigt die Komplexität und Heterogenität der ADHS-Ätiologie. Zusammen mit früheren Befunden deuten unsere Ergebnisse auf ein Spektrum biologischer Mechanismen hin, die den ADHS-Symptomen zugrunde liegen und somit Ansatzpunkte für die weitere genetische Erforschung dieser komplexen Störung bieten.

Kategorien: ADHS Allgemein

Schlagwörter: ADHS, Hyperaktivität, Genetik

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