Zum Einfluss von ADHS im Straßenverkehr: Ergebnisse einer Querschnittsuntersuchung bei deliktauffälligen Kraftfahrern

Sören Schmidt, Kathrin Wendler, Paul Brieler, Hans-Günther Kollra, Franz Petermann (2015)

Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie 63(1), 53-58

Zusammenfassung

Die Relevanz einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) für die Teilnahme am Straßenverkehr ist mittlerweile gut untersucht. Ausgehend von den Beeinträchtigungen durch die Kernsymptomatik lassen sich unterschiedliche Risikofaktoren ermitteln, die mit ADHS assoziiert sind. In der vorliegenden Studie wurde eine Stichprobe von N = 630 deliktauffälligen Kraftfahrern untersucht und in einem ersten Schritt mit einer Normstichprobe (N = 1845) verglichen. Anschließend wurden mittels linearen Regressionsanalysen prädiktive Eigenschaften konkret erhobener Verkehrsdelikte auf eine ADHS-Symptomatik untersucht. Die Wahrscheinlichkeit einer zugrundeliegenden ADHS-Symptomatik ist bei Verkehrsdelinquenten – mit Ausnahme der Skala «Stressintoleranz» – deutlich höher ausgeprägt als in der Normstichprobe. Das Delikt «Fahren ohne Führerschein» ist der einzige Prädiktor für eine zugrundeliegende ADHS-Problematik. Die Ergebnisse verweisen auf einen hohen Anteil ADHS-betroffener Erwachsener in der Gruppe deliktauffälliger Kraftfahrer. Bei konkreten Delikten empfiehlt sich eine ausführlichere diagnostische ADHS-Abklärung. Zudem ergeben sich Hinweise auf eine starke Tendenz zu sozial erwünschten Antworten, was bei verkehrspsychologischen Schulungen berücksichtigt werden sollte.

Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Diagnostik, Störung des Sozialverhaltens

Schlagwörter: ADHS, Diagnostik

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