Können Natrium/Wasserstoff-Austausch-Inhibitoren zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eingesetzt werden? Ein In-silico-Ansatz
Stephen Faraone, Yanli Zhang-James (2013)
American journal of medical genetics. Part B, Neuropsychiatric genetics : the official publication of the International Society of Psychiatric Genetics 162B(7), 711-717
Zusammenfassung
Medikamente gegen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sind nur teilweise wirksam. Idealerweise würden neue Therapieansätze auf der bekannten Pathophysiologie basieren. Solche Daten liegen für ADHS jedoch nicht vor. Wir kombinieren Erkenntnisse über neue ätiologische Signalwege mit bioinformatischen Daten, um die Möglichkeit einer Umwidmung bestehender Medikamente zur Behandlung von ADHS zu untersuchen. Mit diesem Ansatz prüfen wir, ob frühere Daten, die das Gen für den Natrium/Wasserstoff-Austauscher 9 (SLC9A9) mit ADHS in Verbindung bringen, Natrium/Wasserstoff-Austauscher-(NHE)-Inhibitoren als potenzielle Therapieoptionen nahelegen. Wir bewerteten das Potenzial für eine Umwidmung, indem wir die Ähnlichkeit der Wirkstoff-Protein-Bindungsprofile zwischen NHE-Inhibitoren und bekannten ADHS-Medikamenten mithilfe des Servers „Drug Repositioning and Adverse Reaction via Chemical-Protein Interactome“ analysierten. NHE9 zeigt eine hohe Aminosäureähnlichkeit zwischen NHE-Inhibitor-sensitiven NHEs in der Region der für NHE1 definierten NHE-Inhibitor-Erkennungsstelle. Wir fanden hohe Korrelationen in den Wirkstoff-Protein-Bindungsprofilen der meisten ADHS-Medikamente. Die Wirkstoff-Protein-Bindungsprofile einiger NHE-Inhibitoren korrelierten stark mit denen von ADHS-Medikamenten, während dies bei einer Kontrollgruppe nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) nicht der Fall war. Weitere experimentelle Untersuchungen sollten klären, ob NHE-Inhibitoren zur Behandlung von ADHS geeignet sind.
Kategorien: Medikamente, Therapie
Schlagwörter: ADHS, Hyperaktivität, Genetik
