Präfrontale hämodynamische Veränderungen während des Zigarettenrauchens bei jungen erwachsenen Rauchern mit und ohne ADHS

Jean-G Gehricke, Chiara Polzonetti, Cyrus Caburian, Enrico Gratton (2013)

Pharmacology, biochemistry, and behavior 112, 78-81

Zusammenfassung

Personen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) weisen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine erhöhte Raucherprävalenz und niedrigere Aufhörraten auf. Die Auswirkungen des Zigarettenrauchens auf die zugrundeliegende Hirnaktivität bei Rauchern mit ADHS sind jedoch noch nicht ausreichend erforscht. Mittels nicht-invasiver Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) wurde untersucht, wie sich Zigarettenrauchen auf die präfrontale Hirnhämodynamik bei Rauchern mit und ohne ADHS auswirkt. Präfrontale Veränderungen von Oxy- und Desoxyhämoglobin (HbO₂ und HHb) wurden bei sechs männlichen erwachsenen Rauchern mit ADHS und sechs alters- und geschlechtsgleichen Kontrollrauchern gemessen. Die NIRS-Messungen erfolgten in vier aufeinanderfolgenden Zeitintervallen: vor dem Rauchen, während des Rauchens, nach dem Rauchen und während eines Atemanhaltens. Das präfrontale HbO₂ war während des Rauchens bei Rauchern mit ADHS niedriger als bei den Kontrollrauchern. Genauer gesagt zeigten Raucher mit ADHS während des Rauchens im Vergleich zu Atemanhalten sowie vor und nach dem Rauchen ein verringertes präfrontales HbO₂. Im Gegensatz dazu zeigte sich bei den Kontrollrauchern ein Anstieg des präfrontalen HbO2-Wertes vom Zeitpunkt vor dem Rauchen bis zum Atemstillstand. Der verringerte präfrontale HbO2-Wert bei Rauchern mit ADHS könnte eine rauchbedingte Veränderung der präfrontalen Hirnaktivität und Mikrovaskulatur widerspiegeln, die bei Rauchern ohne ADHS nicht beobachtet wird. Der niedrigere präfrontale HbO2-Wert könnte ein Biomarker für eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Tabakrauch bei Rauchern mit ADHS sein. Rauchen bei Menschen mit ADHS kann die Vasokonstriktion der Hirnarterien im präfrontalen Kortex verstärken, was zu einer Reduktion des HbO2-Wertes beitragen kann. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Raucherentwöhnung, insbesondere für Raucher, die Nikotin zur Selbstmedikation ihrer ADHS-Symptome verwenden.

Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Sucht

Schlagwörter: ADHS, Erwachsene, Hyperaktivität, Prävalenz, Geschlecht

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