Neuropsychologische und dimensionale Verhaltensmerkmalsprofile bei Geschwisterpaaren mit ADHS in Costa Rica: Potenzielle intermediäre Phänotypen für genetische Studien

Viviana Peskin, Anna Ordonez, R. Mackin, Kevin Delucchi, Silvia Monge, James McGough, Denise Chavira, Monica Berrocal, Erika Cheung, Eduardo Fournier, Judith Badner, Luis Herrera, Carol Mathews (2015)

American journal of medical genetics. Part B, Neuropsychiatric genetics : the official publication of the International Society of Psychiatric Genetics 168B(4), 247-57

Zusammenfassung

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist mit erheblichen funktionellen Beeinträchtigungen bei Kindern und Erwachsenen verbunden. Viele Menschen mit ADHS weisen deutliche neurokognitive Defizite auf, darunter Probleme mit der visuellen Aufmerksamkeit, der Verarbeitungsgeschwindigkeit und der Fähigkeit, Aufgaben zu wechseln. Die Ätiologie von ADHS ist komplex, und obwohl genetische Faktoren eine Rolle in ihrer Entwicklung spielen, ist ein Großteil des genetischen Beitrags zu ADHS noch nicht identifiziert. Wir führten klinische und neuropsychologische Untersuchungen an 294 Personen (269 mit ADHS) aus 163 Familien (48 generationenübergreifende Familien, die mittels genealogischer Rekonstruktion gebildet wurden, 78 Familien mit betroffenen Geschwisterpaaren und 37 Trios) aus dem Zentraltal von Costa Rica (CVCR) durch. Mithilfe der Hauptkomponentenanalyse (PCA) gruppierten wir neurokognitive und Verhaltensvariablen anhand der Subskalen der Child Behavior Checklist (CBCL) und 15 neuropsychologischer Messinstrumente und erstellten quantitative Merkmale für Heritabilitätsanalysen. Wir identifizierten sieben kognitive und zwei Verhaltensdomänen. Personen mit ADHS zeigten in den meisten Verhaltens- und kognitiven Domänen signifikant stärkere Beeinträchtigungen als ihre nicht betroffenen Geschwister. Der verbale Intelligenzquotient wies die höchste Heritabilität (92 %) auf, gefolgt von auditiver Aufmerksamkeit (87 %), visueller Verarbeitungsgeschwindigkeit und Problemlösungsfähigkeit (85 %) sowie externalisierenden Symptomen (81 %). Die hier identifizierten quantitativen Merkmale weisen hohe Heritabilitäten auf, ähnlich der berichteten Heritabilität von ADHS (70–90 %), und könnten geeignete alternative Phänotypen für genetische Studien darstellen. Die Verwendung von Familien über mehrere Generationen aus einer genetisch isolierten Population kann die Identifizierung von ADHS-Risikogenen trotz phänotypischer und genetischer Heterogenität erleichtern.

Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, ADHS bei Kindern, Diagnostik

Schlagwörter: ADHS, ADHS im Erwachsenenalter, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Diagnostik, Hyperaktivität, Genetik, Geschlecht, Neuropsychologie

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