Elektroenzephalographie als klinisches Instrument zur Diagnose und Überwachung von Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung: eine Querschnittsstudie
Halla Helgadottir, Olafur Gudmundsson, Gisli Baldursson, Pall Magnusson, Nicolas Blin, Berglind Brynjolfsdottir, Asdis Emilsdottir, Gudrun Gudmundsdottir, Malfridur Lorange, Paula Newman, Gisli Johannesson, Kristinn Johnsen (2015)
BMJ open 5(1), e005500
Zusammenfassung
ZIELE: Ziel dieser Studie war die Entwicklung und erstmalige Erprobung eines multivariaten diagnostischen Klassifikators für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) auf Basis von EEG-Kohärenzmessungen und dem chronologischen Alter. STUDIENORT: Die Teilnehmer wurden in zwei spezialisierten Zentren und drei Schulen in Reykjavík rekrutiert. TEILNEHMER: Die Daten stammen aus einer großen Querschnittskohorte mit 310 ADHS-Patienten und 351 Kontrollpersonen im Alter von 5,8 bis 14 Jahren. Die ADHS-Diagnose erfolgte gemäß den Kriterien des Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen, vierte Auflage (DSM-IV), mithilfe des semistrukturierten Interviews K-SADS-PL. Die Eltern der Kontrollgruppe gaben an, dass sie keine psychischen oder Entwicklungsstörungen aufwiesen und dass ihr Wert auf der ADHS-Bewertungsskala-IV weniger als 1,5 Standardabweichungen über dem altersentsprechenden Normwert lag. Abgesehen von einer mittelgradigen oder schweren geistigen Behinderung wurden keine weiteren Ausschlusskriterien angewendet, um sicherzustellen, dass die Kohorte den typischen Querschnitt von Patienten mit ADHS widerspiegelte. ERGEBNISSE: Mithilfe statistischer Mustererkennung wurden diagnostische Klassifikatoren für die gesamte Altersspanne und für spezifische Altersgruppen entwickelt und mittels Kreuzvalidierung sowie durch Anwendung auf eine separate Kohorte von Aufzeichnungen, die nicht im Entwicklungsprozess verwendet wurden, getestet. Der altersspezifische Klassifizierungsansatz war genauer (76 % Genauigkeit in der unabhängigen Testkohorte; 81 % Genauigkeit bei der Kreuzvalidierung) als die altersunabhängige Version (76 %; 73 %). Das chronologische Alter erwies sich als wichtiges Klassifizierungsmerkmal. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Die hier vorgestellte neuartige Anwendung von EEG-basierten Klassifizierungsmethoden kann dem Kliniker einen erheblichen Nutzen bieten, indem sie sowohl die Genauigkeit der Erstdiagnose als auch die fortlaufende Überwachung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS verbessert. Die genaueste Diagnose zu einem bestimmten Zeitpunkt kann mit den altersspezifischen Klassifikatoren erzielt werden, aber auch die altersunabhängigen Klassifikatoren sind nützlich, da sie eine longitudinale Überwachung der Hirnfunktion ermöglichen.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Diagnostik, Hyperaktivität, EEG, Geschlecht, Schule
