Unterschiede im subkortikalen Hirnvolumen bei Teilnehmenden mit ADHS über die Lebensspanne: eine ENIGMA-Kooperation
Martine Hoogman, Janita Bralten, Derrek P Hibar, Maarten Mennes, Marcel P Zwiers, Lizanne S J Schweren, Kimm J E van Hulzen, Sarah E Medland, Elena Shumskaya, Neda Jahanshad, Patrick de Zeeuw, Eszter Szekely, Gustavo Sudre, Thomas Wolfers, Alberdingk M H Onnink, Janneke T Dammers, Jeanette C Mostert, Yolanda Vives-Gilabert, Gregor Kohls, Eileen Oberwelland, Jochen Seitz, Martin Schulte-Rüther, Sara Ambrosino, Alysa E Doyle, Marie F Høvik, Margaretha Dramsdahl, Leanne Tamm, Theo G M van Erp, Anders Dale, Andrew Schork, Annette Conzelmann, Kathrin Zierhut, Ramona Baur, Hazel McCarthy, Yuliya N Yoncheva, Ana Cubillo, Kaylita Chantiluke, Mitul A Mehta, Yannis Paloyelis, Sarah Hohmann, Sarah Baumeister, Ivanei Bramati, Paulo Mattos, Fernanda Tovar-Moll, Pamela Douglas, Tobias Banaschewski, Daniel Brandeis, Jonna Kuntsi, Philip Asherson, Katya Rubia, Clare Kelly, Adriana Di Martino, Michael P Milham, Francisco X Castellanos, Thomas Frodl, Mariam Zentis, Klaus-Peter Lesch, Andreas Reif, Paul Pauli, Terry L Jernigan, Jan Haavik, Kerstin J Plessen, Astri J Lundervold, Kenneth Hugdahl, Larry J Seidman, Joseph Biederman, Nanda Rommelse, Dirk J Heslenfeld, Catharina A Hartman, Pieter J Hoekstra, Jaap Oosterlaan, Georg von Polier, Kerstin Konrad, Oscar Vilarroya, Josep Antoni Ramos-Quiroga, Joan Carles Soliva, Sarah Durston, Jan K Buitelaar, Stephen V Faraone, Philip Shaw, Paul M Thompson, Barbara Franke (2017)
The Lancet Psychiatry 4(4), 310-319
Zusammenfassung
Hintergrund: Bildgebungsstudien zeigen strukturelle Veränderungen in mehreren Hirnregionen von Kindern und Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Durch die Gründung der weltweiten ENIGMA-ADHS-Arbeitsgruppe begegneten wir den Schwächen früherer Bildgebungsstudien und Metaanalysen hinsichtlich Stichprobengröße und methodischer Heterogenität. Methoden: Unsere Stichprobe umfasste 1.713 Teilnehmende mit ADHS und 1.529 Kontrollpersonen aus 23 Zentren im Alter von 4 bis 63 Jahren; 66 % waren männlich. Die einzelnen Zentren analysierten MRT-Aufnahmen des Gehirns anhand harmonisierter Protokolle. Unterschiede zwischen Fällen und Kontrollen bei subkortikalen Strukturen und dem intrakraniellen Volumen (ICV) wurden durch Mega- und Metaanalysen untersucht. Ergebnisse: Die Volumina von Nucleus accumbens (Cohen-d = −0,15), Amygdala (d = −0,19), Nucleus caudatus (d = −0,11), Hippocampus (d = −0,11), Putamen (d = −0,14) und ICV (d = −0,10) waren bei den Fällen kleiner als bei den Kontrollpersonen. Die Effektstärken waren bei Kindern am größten; bei Erwachsenen bestanden keine Fall-Kontroll-Unterschiede. Explorative Modellierungen über die Lebensspanne deuteten auf eine verzögerte Reifung und eine verzögerte Degeneration hin. Weder die Einnahme von Psychostimulanzien noch komorbide psychiatrische Störungen beeinflussten die Ergebnisse; auch korrelierten die Symptomwerte nicht mit dem Hirnvolumen. Interpretation: Mit dem bislang größten Datensatz erweitern wir die Theorie der verzögerten Hirnreifung bei ADHS auf subkortikale Strukturen und widerlegen die in früheren Metaanalysen vermuteten Medikamenteneffekte auf das Hirnvolumen. Wir liefern neue Erkenntnisse zu beidseitigen Volumenverminderungen von Amygdala, Nucleus accumbens und Hippocampus bei ADHS sowie eine bislang unerreichte Präzision der Effektstärkenschätzungen. Da ausreichend große Längsschnittstudien fehlen, legen die Analysen der ENIGMA-Querschnittsstichprobe über sechs Lebensjahrzehnte Hypothesen zu lebenszeitlichen Verläufen von Hirnmerkmalen nahe. Finanzierung: National Institutes of Health.
Kategorien: ADHS Allgemein, ADHS bei Erwachsenen, ADHS bei Kindern
Schlagwörter: ADHS, MRT, Bildgebung, Amygdala, Hippocampus, Neurobiologie
