Ökonomische Auswirkungen von ADHS im Kindes- und Jugendalter im europäischen Kontext: die Niederlande als Referenzfall

Hoa Le, Paul Hodgkins, Maarten Postma, Jennifer Kahle, Vanja Sikirica, Juliana Setyawan, M. Erder, Jalpa Doshi (2014)

European Child & Adolescent Psychiatry 23(7), 587-598

Zusammenfassung

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine weit verbreitete psychische Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Diese Studie untersucht verfügbare europäische Studien zu ADHS-bedingten Kosten und wendet die Ergebnisse auf die Niederlande an, um die jährlichen nationalen Kosten für Kinder und Jugendliche aus gesellschaftlicher Perspektive zu schätzen. Es wurde eine systematische Literaturrecherche nach Primärstudien in Europa durchgeführt, die zwischen dem 1. Januar 1990 und dem 23. April 2013 veröffentlicht wurden. Die Kosten pro Person wurden auf Euro (Stand 2012) umgerechnet und zur Schätzung der jährlichen nationalen ADHS-bedingten Kosten auf Basis der niederländischen Volkszählung von 2011, der ADHS-Prävalenzraten, der Familienzusammensetzung und der Erwerbsquoten verwendet. Sieben Studien erfüllten die Einschlusskriterien. Die durchschnittlichen Gesamtkosten für ADHS lagen zwischen 9.860 € und 14.483 € pro Patient, die jährlichen nationalen Kosten zwischen 1.041 € und 1.529 Mio. €. Die größte Kostenkategorie war der Bildungsbereich (648 Mio. €), der 62 % bzw. 42 % der nationalen Gesamtkosten für niedrige bzw. hohe Werte ausmachte. Zum Vergleich: Die Gesundheitskosten für ADHS-Patienten lagen zwischen 84 Mio. € (8 %) und 377 Mio. € (25 %), die Kosten für soziale Dienstleistungen bei 4,3 Mio. € (0,3–0,4 %). Während der Großteil der Kosten von den ADHS-Patienten selbst getragen wurde, entfielen 161 Mio. € (11–15 %) auf die Gesundheitskosten von Familienangehörigen, die auf ein Kind oder einen Jugendlichen mit ADHS zurückzuführen waren. Hinzu kamen Produktivitätsverluste von 143–339 Mio. € (14–22 %). Trotz der Unsicherheiten aufgrund der geringen Anzahl identifizierter Studien und der großen Bandbreite der nationalen Kostenschätzungen deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass ADHS eine erhebliche wirtschaftliche Belastung für verschiedene öffentliche Sektoren in Europa darstellt. Die begrenzte Anzahl europäischer Studien zur wirtschaftlichen Belastung durch ADHS unterstreicht den Bedarf an weiterer Forschung in diesem Bereich.

Kategorien: ADHS bei Kindern

Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Hyperaktivität, Prävalenz, Geschlecht

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