Anabole androgene Steroide und Gewalttaten: Störfaktoren durch Mehrfachsubstanzmissbrauch bei 10.365 Männern aus der Allgemeinbevölkerung

Lena Lundholm, Thomas Frisell, Paul Lichtenstein, Niklas Långström (2015)

Addiction (Abingdon, England) 110(1), 100-108

Zusammenfassung

HINTERGRUND UND ZIELE: Der Konsum anaboler androgener Steroide (AAS) wird mit aggressivem und gewalttätigem Verhalten in Verbindung gebracht. Es ist jedoch unklar, ob dieser Zusammenhang beim Menschen kausal ist. Wir untersuchten den Zusammenhang zwischen AAS-Konsum und Gewaltverbrechen unter Berücksichtigung von Mehrfachsubstanzmissbrauch und weiteren vermuteten Risikofaktoren für Gewalt. STUDIENDESIGN: Querschnittstudie an einer bevölkerungsbasierten Stichprobe. STUDIENORT: Im Jahr 2005 wurden alle in Schweden geborenen männlichen Zwillinge im Alter von 20 bis 47 Jahren zur Teilnahme an der Studie „Swedish Twin Adults: Genes and Environment“ (STAGE) des Schwedischen Zwillingsregisters eingeladen (Teilnahmequote = 60 %). STUDIENTEILNEHMER: Insgesamt 10.365 männliche Studienteilnehmer mit Angaben zum AAS-Konsum. MESSUNGEN: Daten zum selbstberichteten Konsum von AAS, Alkohol und anderen Substanzen, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Symptomen von Persönlichkeitsstörungen wurden mit landesweiten Längsschnittdaten aus Registern zu Vorstrafen, Intelligenzquotient (IQ), psychischer Funktionsfähigkeit und sozioökonomischem Status (SES) in der Kindheit verknüpft. ERGEBNISSE: Jeglicher lebenslanger Gebrauch von anabolen androgenen Steroiden (AAS) war stark mit einer Verurteilung wegen eines Gewaltverbrechens assoziiert (2,7 % gegenüber 0,6 % bei verurteilten bzw. nicht verurteilten Männern; Odds Ratio (OR) = 5,0, 95 %-Konfidenzintervall (KI) = 2,7–9,3). Dieser Zusammenhang schwächte sich jedoch deutlich ab und war nicht mehr signifikant, wenn für anderen Substanzmissbrauch kontrolliert wurde (OR = 1,6, 95 %-KI = 0,8–3,3). Die Berücksichtigung von Intelligenzquotient (IQ), psychischer Funktionsfähigkeit, ADHS, Symptomen von Persönlichkeitsstörungen und sozioökonomischem Status in der Kindheit reduzierte das Risiko nicht weiter. SCHLUSSFOLGERUNG: In der Allgemeinbevölkerung erklärt der gleichzeitige Missbrauch mehrerer Substanzen, nicht aber der IQ, andere neuropsychologische Risikofaktoren oder der sozioökonomische Status, den relativ starken Zusammenhang zwischen jeglichem Gebrauch anaboler androgener Steroide und einer Verurteilung wegen eines Gewaltverbrechens.

Kategorien: Persönlichkeitsstörungen, Störung des Sozialverhaltens, Sucht

Schlagwörter: ADHS, Kinder, Erwachsene, Hyperaktivität, Sucht, Alkohol, Geschlecht, Aggression, Neuropsychologie

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