Hin zu einer personalisierten Raucherentwöhnungstherapie: Einsatz eines prädiktiven Modellierungsansatzes zur Entscheidungsfindung hinsichtlich der medikamentösen Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Rauchern
Sean Luo, Lirio Covey, Mei-Chen Hu, Frances Levin, Edward Nunes, Theresa Winhusen (2015)
The American journal on addictions / American Academy of Psychiatrists in Alcoholism and Addictions 24(4), 348-56
Zusammenfassung
HINTERGRUND UND ZIELE: In einer randomisierten, placebokontrollierten, multizentrischen klinischen Studie zeigte Methylphenidat mit osmotischer Freisetzung (OROS-MPH) keinen Gesamtnutzen als Zusatztherapie zur Raucherentwöhnung bei erwachsenen Rauchern mit ADHS. Eine Sekundäranalyse ergab eine signifikante Wechselwirkung zwischen dem Schweregrad der ADHS-Symptome und dem Ansprechen auf die Behandlung mit OROS-MPH, berücksichtigte jedoch keine weiteren Ausgangsvariablen und schätzte nicht das Ausmaß der Ergebnisverbesserung bei optimierter Behandlung ab. Die vorliegende Studie befasst sich mit der Frage, wie diese Beziehung in die klinische Praxis einfließen sollte. METHODEN: Anhand von Daten der Studie „Erwachsene Raucher mit ADHS“ (N = 255, sechs Studienzentren in fünf US-Bundesstaaten) erstellten wir Vorhersagemodelle zur Berechnung der Wahrscheinlichkeit einer anhaltenden Abstinenz, die durch Selbstauskunft und Messung des Kohlenmonoxidgehalts in der Ausatemluft bestätigt wurde. Wir evaluierten die potenzielle Verbesserung der Wahrscheinlichkeit einer anhaltenden Abstinenz mit und ohne Stratifizierung nach dem ADHS-Schweregrad zu Studienbeginn. ERGEBNISSE: Die prädiktive Modellierung zeigt, dass die Interaktion zwischen dem Schweregrad der ADHS zu Studienbeginn und der Behandlungsgruppe durch die Berücksichtigung anderer Ausgangsvariablen nicht beeinflusst wird. Eine Simulation einer klinischen Studie ergab, dass die Gabe von OROS-MPH an Patienten mit einem ADHS-Symptom-Bewertungsskala-Wert (ADHS-RS) > 35 und von Placebo an Patienten mit einem ADHS-RS-Wert ≤ 35 die Rate der anhaltenden Abstinenz signifikant verbessern würde (52 ± 8 % vs. 42 ± 5 %, p < 0,001). SCHLUSSFOLGERUNGEN UND WISSENSCHAFTLICHE BEDEUTUNG: Bei Rauchern mit ADHS kann die Anwendung einer einfachen Entscheidungsregel, die Patienten anhand des ADHS-Schweregrads zu Studienbeginn stratifiziert, die Wahrscheinlichkeit einer anhaltenden Raucherentwöhnung erhöhen. Ähnliche Analysemethoden sollten für zukünftige klinische Studien zu anderen Substanzgebrauchsstörungen in Betracht gezogen werden.
Kategorien: Medikamente, Sucht, Therapie
Schlagwörter: ADHS, ADHS im Erwachsenenalter, Erwachsene, Komorbidität, Methylphenidat, Stimulanzien, Hyperaktivität, Sucht, Geschlecht
